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Die Gegenpäpstin

Titel: Die Gegenpäpstin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Aufbau
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gefahren waren, und als Sarah ihr Flugticket zückte, um zusammen mit Rolf, der hinter ihr stand, die üblichen Sicherheitsmaßnahmen
     über sich ergehen zu lassen, kam ihr die ganze Angelegenheit mit einem Mal reichlich unwirklich vor.
    Während Rolf am Schalter nachrückte, schaute sie sich noch einmal in der Flughafenhalle um. Dabei fiel ihr Blick auf ein unauffälliges
     Plakat, das im Eingangsbereich zu den Kontrollen angebracht war. Es zeigte ein Foto Yitzhak Bergmans, und darunter stand in
     schwarzen Blocklettern
Von arabischen Terroristen entführt
. Wenn sie auch nur für einen Moment vergessen hätte, warum sie das Land verließ, so wüßte sie es nun wieder. Mit allergrößter
     Gewißheit spürte sie, daß sie der Geheimniskrämerei ein Ende setzen mußte. Sie mußte den Fund öffentlich machen, um Aarons
     Tod und das Verschwinden Bergmans aufklären zu können.
    »Was ist das?« fragte der Sicherheitsbeamte, als sie gedankenverloren ihren Rucksack durch den Röntgenscanner schickte. |132| »Öffnen Sie bitte das Handgepäck«, schob er ungeduldig hinterher.
    Der Laptop und die äußerst wertvollen CDs waren bereits versiegelt worden. Somit hatte Sarah keine Idee, was sich außer einem
     Päckchen Schokoladenkekse sonst noch Verdächtiges in ihrem Rucksack befinden könnte. Der Sicherheitsmann hatte allem Anschein
     nach sehr wohl eine Vorstellung. Zielstrebig durchsuchte er ihr Handgepäck, und schließlich brachte er ein kleines Styroporkästchen
     zutage.
    Himmel, der Zahn!
Sarah sah sich hilfesuchend nach Rolf um. Sie hatte an fast alles gedacht, lediglich der zweitausend Jahre alte Zahn, den
     sie seit Tagen mit sich rumschleppte, war ihr in der Hektik entfallen.
    »Könnten Sie das bitte öffnen?« Der Sicherheitsbeamte sah sie unnachgiebig, aber freundlich an.
    »Ja … sofort«, stotterte Sarah, und der Blick des Mannes wurde eine Nuance strenger. Er spürte offenbar ihre Unsicherheit.
    Sarahs Hände zitterten, als sie die kleine Kiste öffnete. Das Ergebnis war einigermaßen überraschend, nicht nur für den Sicherheitsmenschen.
     Sarah sah den schneeweißen Backenzahn ebenso zum ersten Mal wie der junge Wachmann vor ihr, der erstaunt seine Brauen hob.
    »Hatte ich ganz vergessen«, sagte sie geistesgegenwärtig. »Mein Weisheitszahn. Ich habe ihn erst vor wenigen Wochen gezogen
     bekommen. Ich wollte ihn gerne behalten. Vielleicht bringt er Glück?«
    Der Sicherheitsbeamte lächelte. »Verstehe«, sagte er mit einem Augenzwinkern. »Meine Frau hat alle Milchzähne unserer Tochter
     aufgehoben. So was soll’s geben. Sie können ihn wieder einpacken.«
    Sarah atmete leise auf, als sie nach einem Wink des Mannes, der dem nächsten Sicherheitsposten bescheinigte, daß mit ihr alles
     in Ordnung war, den Transitbereich betreten durfte.
    |133| »Ist er das?« Rolfs Augen leuchteten, nachdem er hinter den Sperren wieder zu ihr getreten war. »Ist das der Zahn der Maria
     Magdalena?«
    »Es ist nur ein Zahn«, erwiderte Sarah ein wenig entnervt.
    »Es ist der Zahn einer Heiligen«, erklärte Rolf mit Nachdruck. »Und er liefert den Beweis über eure Verwandtschaft. Vergiß
     das nicht!«
    Der El-Al-Flug mit der Nummer 357 nach Frankfurt war voll besetzt. Rolf hatte im Flugzeug den Platz zum Gang hin gewählt,
     nachdem er Sarah seine Höhenangst eingestanden hatte. Während Sarah sich am Fenster sitzend den Sicherheitsgurt anlegte, lief
     auf den zahlreichen Bildschirmen im Mittelgang der Boeing 737 ein Zeichentrickfilm, in dem der rosarote Panther in seiner
     ihm üblichen Gelassenheit in hebräischer Sprache die Funktion der Schwimmwesten und der Sicherheitssysteme erklärte.
    Der Flug verlief ohne Zwischenfälle. Nur einmal, als Sarah zur Toilette gehen wollte, während Rolf schlief, sprach sie ein
     merkwürdig aussehender Typ an, der auf der anderen Seite des Ganges saß. Aufdringlich stellte er die Frage, ob er auf ihren
     Rucksack aufpassen solle, den sie nicht ins Gepäckfach, sondern zu ihren Füßen gestellt hatte. Für einen Moment blickte sie
     in die dunklen Augen des Fremden, registrierte seinen merkwürdigen Haarschnitt und den goldenen Ring an seinem Finger, auf
     dem ein Widderkopf in einem fünfzackigen Stern zu sehen war.
    »Nein, das ist nicht nötig«, sagte Sarah, ohne das Lächeln des Mannes zu erwidern.
    In Frankfurt, bei der Paßkontrolle, die unter den Augen schwerbewaffneter Grenzpolizisten stattfand, erregte der Mann mit
     dem seltsamen Ring noch einmal ihre

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