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Die Nadel.

Titel: Die Nadel. Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ken Follettl
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Achseln. »Um diese Zeit sind hier nicht mehr
     viele Leute unterwegs. Und wenn er gesehen wurde, brauchte er nur zu sagen, daß er sich
     nicht in die lange Schlange an der Sperre stellen wollte.«
    »Haben Sie auch die anderen Fahrkartensperren überwachen lassen?«
    »Daran habe ich nicht gedacht.«
    »Ich auch nicht.«
    »Wir können
     natürlich die Umgebung absuchen und später verschiedene Punkte in der Stadt überprüfen,
     natürlich auch die Fähre – «
    »Ja, bitte, tun Sie das«, sagte Bloggs.
    Aber irgendwie wußte er, daß Faber nicht mehr zu finden sein würde.
    Es dauerte über eine Stunde, bis der Zug weiterfuhr. Faber hatte einen
     Krampf in der linken Wade und Staub in der Nase. Er hörte, wie der Lokomotivführer und der
     Heizer wieder zurück in den Führerstand kletterten, und er bekam Bruchstücke einer
     Unterhaltung über eine Leiche mit, die im Zug gefunden worden war. Metall klapperte, als der
     Heizer Kohlen schaufelte, zischend entwich Dampf aus dem Kessel, und Kolben klirrten. Dann gab
     es einen Ruck und ein Schnauben von Rauch aus dem Schornstein, als der Zug sich in Bewegung
     setzte. Faber veränderte seine Stellung und gestattete sich ein unterdrücktes Niesen. Danach
     fühlte er sich besser.
    Er befand sich hinten im Tender tief in den Kohlen vergraben,
     wo ein Mann mit einer Schaufel zehn Minuten schwer hätte arbeiten müssen, um ihn zu
     entdecken. Wie er gehofft hatte, hatten sich die Polizisten bei der Durchsuchung des Tenders
     auf einen eingehenden Blick begnügt und es dabei belassen.
    Faber überlegte, ob er
     wagen konnte, wieder unter den Kohlen hervorzukriechen. Es mußte langsam hell werden: Würde
     man ihn von einer Eisenbahnbrücke aus sehen können? Wahrscheinlich nicht. Seine Haut war
     jetzt ziemlich schwarz, und auf einem fahrenden Zug würde er im fahlen Licht der
     Morgendämmerung nichts als ein dunkler Schatten vor einem dunklen Hintergrund sein. Ja, er
     konnte es riskieren. Langsam und vorsichtig arbeitete er sich aus seinem Kohlegrab heraus.
    Mit tiefen Atemzügen sog er die kühle Luft ein. Die Kohle wurde durch
     ein kleines Loch am Vorderende aus dem Tender geschaufelt. Später würde der Heizer
     vielleicht in den Tender steigen müssen, wenn der Brennstoffvorrat kleiner wurde. Im
     Moment war Faber sicher.
    Als es heller wurde, schaute er an sich hinab. Er war von
     Kopf bis Fuß mit Kohlenstaub bedeckt, wie ein Bergmann, der gerade aus der Grube
     kam. Irgendwie mußte er es schaffen, sich zu waschen und seine Kleidung zu wechseln.
    Er wagte einen Blick über den Rand des Tenders hinaus auf die Landschaft. Der Zug fuhr
     immer noch durch die Vororte, vorbei an Fabriken, Lagerhäusern und Reihen schmutziger
     kleiner Häuser. Er mußte sich seinen nächsten Schritt überlegen.
    Ursprünglich
     hatte er geplant, in Glasgow auszusteigen und dort einen anderen Zug nach Dundee und an der
     Ostküste entlang nach Aberdeen zu nehmen. Es war immer noch möglich, nach Glasgow zu
     fahren. Natürlich konnte er nicht am Bahnhof aussteigen, aber er konnte kurz davor oder
     danach abspringen. Das war jedoch gefährlich. Der Zug würde zwischen Liverpool und
     Glasgow bestimmt noch mehrere Male anhalten, und dabei konnte er entdeckt werden. Nein, er
     mußte so bald wie möglich den Zug verlassen und ein anderes Transportmittel finden.
    Der ideale Ort zum Abspringen wäre eine einsame Strecke kurz hinter einer Stadt oder
     einem Dorf. Die Strecke mußte einsam sein, damit man ihn nicht vom Tender springen sah,
     doch nicht allzu weit von Häusern entfernt, damit er dort Kleidung und ein Auto stehlen
     konnte. Außerdem mußte die Strecke bergan führen, damit die Geschwindigkeit des Zuges
     niedrig genug zum Abspringen war.
    Das Tempo betrug jetzt etwa vierzig Meilen pro
     Stunde. Faber legte sich zurück auf die Kohle. Er konnte nicht ständig Ausschau halten,
     weil man ihn sonst irgendwann entdeckt hätte. Er beschloß, nur noch hinauszuschauen, wenn
     der Zug langsamer wurde. Ansonsten würde er still liegen bleiben.
    Nach ein paar
     Minuten merkte er, daß er trotz seiner unbequemenUnterlage
     eindöste. Er drehte sich um und stützte den Körper mit den Ellenbogen ab; auf diese
     Weise würde er auf die Kohlen plumpsen, sobald er einschlief, und durch den Aufprall
     erwachen.
    Der Zug wurde schneller. Zwischen London und Liverpool schien er mehr
     gestanden als sich bewegt zu haben; nun dampfte er ganz schön schnell durch die Gegend. Zu
     allem

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