Die Tiefe einer Seele
Verbannung schicken. Euphorisch wählte er seine Mailbox an, hörte jede einzelne Nachricht von ihr ab. Schon bald verfinsterte sich seine Miene. Verflixt, sie wusste nichts von dem Unfall. Das durfte nicht wahr sein. Wie konnte das alles so aus dem Ruder laufen? Jetzt musste sie doch denken…….verdammt ja, sie musste nicht nur, sie tat es. Sie dachte, dass er den Kontakt zu ihr abbrechen wollte. Wie konnte sie nur? Hatte sie denn so wenig Vertrauen zu ihm? Er hatte ihr doch gesagt, dass sie wichtig für ihn war, und dass er sie wiedersehen möchte. Hektisch schaute er nach, ob sie ihm auch eine SMS geschickt hatte. Ja, hatte sie! Sogar mehrere. Aber James war klar, dass diese letztendlich keine andere Information für ihn bereithielten, als die Nachrichten auf der Mailbox. Sie traute ihm tatsächlich zu, dass er sie eiskalt abservieren würde, schlimmer noch, dass er sie ohne ein einziges Wort einfach so in die Wüste schicken würde. Der schwarzhaarige Mann wurde von einem Zorn ergriffen, wie er ihn lange nicht mehr verspürt hatte. Der seinen völligen Ausbruch fand, als James auch noch seine E-Mails checkte und ihr Abschiedsschreiben entdeckte. Er konnte nicht fassen, was er da zu lesen bekam. Kleine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er war so wütend, dass er am liebsten etwas zu Bruch gehauen hätte, wobei ihm mal wieder seine gute Erziehung im Wege stand. Leider!
Dass ich nicht antworten konnte, weil mir etwas zugestoßen ist, auf die Idee ist die Miss gar nicht gekommen. Sonst schnüffelt sie im Internet hinter mir her, nur dann, wenn es eventuell mal sinnvoll ist, da tut sie es nicht. Stattdessen nimmt sie einfach so an, dass ich ein mieser Dreckskerl bin. Kennt sie mich wirklich so schlecht? Und was faselt sie da nur wieder, dass sie mir nicht gut tut und ich ihr ebenso wenig? Hat sie es denn nicht gespürt? Dieses besondere Band zwischen uns? Diese extreme Kraft, die davon ausgeht? Nein, Mädchen, so haben wir nicht gewettet. Du machst Dich nicht einfach so aus dem Staub und stellst mich als Bösewicht hin. Da kannst Du noch dreimal schreiben, ich solle Dich nicht mehr kontaktieren. Und wie ich Dich kontaktieren werde. Zieh Dich lieber warm an!
Wild entschlossen wählte er ihre Nummer und stöhnte kurz darauf entnervt auf. Dieses sture Weibsstück, es war zum in den Tisch beißen.
Gut, ich werde Dir meine Meinung ganz sicher nicht auf die Mailbox bellen, da kannst Du Gift drauf nehmen! Du wirst Dich diesem Gespräch schon persönlich stellen müssen!
Hastig ging er ins Internet und recherchierte die Nummer des protestantischen Pastors auf der Insel Spiekeroog in Deutschland. Oh wunderbares World Wide Web, er hatte sie binnen weniger Sekunden gefunden. Nervös wählte er sie an und sah dabei auf die Uhr, die über der Tür hing. Drüben war es zwar schon 23 Uhr, er hoffte trotzdem, dort noch jemanden zu erreichen. Und er hatte Glück. Amelies Vater meldete sich.
»Hallo, Herr Pastor Johannson«, begann er im akzentfreien Deutsch. »Sie kennen mich nicht. Mein Name ist James Prescott, und ich muss unbedingt mit Ihrer Tochter sprechen.«
»Ihr Name ist mir durchaus ein Begriff, Herr Prescott«, antwortete Egidius Johannson reichlich unterkühlt. »Und ich fürchte, dass Amelie nicht für sie zu sprechen ist, jetzt nicht und auch nicht in Zukunft.«
»Bitte, Herr Pastor! Lassen Sie mich erklären. Ich weiß, dass Amelie denkt, ich würde nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, aber das ist nicht der Fall, ganz bestimmt nicht. Ich hatte vor zwei Tagen einen Unfall und war seitdem ohne Bewusstsein. Nur deswegen habe ich sie nicht zurückgerufen, bitte glauben Sie mir. Zu Not können Sie sich bei meiner Familie vergewissern, die wird Ihnen das bestätigen.« Seine Stimme überschlug sich fast, so aufgeregt war er.
»Nun mal langsam, junger Mann«, beschwichtigte ihn ein hörbar betroffener Egidius. »Ich glaube Ihnen ja, und es tut mir auch sehr leid, dass das jetzt so gelaufen ist, aber ich muss Ihnen bedauerlicherweise sagen, dass Amelie nicht mehr auf Spiekeroog ist.«
»Was? Wo ist sie dann? Wieder in Hamburg?«
»Nein, nicht in Hamburg.«
James vernahm das Zögern in der Antwort des anderen Mannes ganz deutlich. Und er hatte plötzlich eine böse Ahnung.
Oh nein!
»Hat sie…….hat sie wieder Probleme?«
Egidius zögerte erneut. »Äääh ja, …….leider!«
Der Schmerz in seinem Kopf wurde wieder schlimmer, James konnte ihn
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