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Ein Weihnachtswunder zum Verlieben - Roman

Ein Weihnachtswunder zum Verlieben - Roman

Titel: Ein Weihnachtswunder zum Verlieben - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ali Harris
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mir in den Ohren, während ich immer weiter den Hügel hinaufstampfe. Es ist, als rufe er meinen Namen. »Ev-ie, Ev-ie« , seufzt er, als wolle er mich daran erinnern, wer ich wirklich bin. Nicht Carly und nicht Sarah. Arme Mum, wäre sie damals, als sie Dad geheiratet hat, nur ein bisschen selbstbewusster gewesen. Vielleicht hätte sie dann ein eigenes Leben und eine glückliche Ehe führen können. So aber ist sie im Laufe der vergangenen fünfunddreißig Jahre fast völlig hinter Kindererziehung und Kochen und Backen und Handarbeit und Haushalt verschwunden.
    »Ev-ie, Ev-ie   …«
    Unvermittelt geht mir auf, dass es nicht der Wind ist, der mich ruft, sondern eine Gestalt, die ganz oben auf dem Hügel steht und mir zuwinkt. Ich kneife die Augen zusammen und gehe einen Schritt schneller. Atemlos vor Anstrengung und Kälte komme ich oben an und kann es kaum fassen, dass der Mensch, den ich mir am allermeisten zu sehen gewünscht habe, tatsächlich vor mirsteht. Ich beuge mich vornüber, um wieder zu Atem zu kommen, dann richte ich mich auf.
    »Sam!«, rufe ich mit einem Blick auf seine tränenden Augen und die vom Wind zerzausten Haare. »Dass ich dich ausgerechnet hier treffe.«
    »Ich dachte schon, du hörst mich nie«, meint Sam lächelnd. »Du sahst aus, als seist du ganz in Gedanken.«
    »War ich auch«, entgegne ich und schaue hinunter auf die funkelnden Lichter Londons, die sich bis zum Horizont erstrecken. »Das war ein irrer Tag heute.« Ich stopfe meine halb erfrorenen Finger tief in die Taschen meines Dufflecoats und beiße mir auf die Unterlippe, und dann fange ich an zu reden und die Worte sprudeln nur so aus mir heraus. »Ich dachte, meine Schwester hätte eine Überdosis geschluckt, weil ihr Mann sie betrogen hat.« Sam klappt die Kinnlade herunter, worauf ich rasch hinzufüge: »Es ist alles okay, hat sie nicht, und hat er nicht.« Wieder muss ich tief durchatmen. »Aber dann haben wir herausgefunden, dass mein Dad meine Mum betrügt. Weiß der Himmel, wie lange schon.«
    Sam sagt keinen Ton. Er legt mir bloß den Arm um die Schultern und zieht mich näher an sich heran. Ich drehe mich zu ihm um und kuschele mich an seinen warmen Körper und bin froh, dass er mich hält. Er fühlt sich so unerschütterlich an, so sicher und verlässlich, als könne mir nichts Schlimmes widerfahren, solange ich bei ihm bin. Ich schaue auf und merke, dass er mich mit besorgtem Blick mustert.
    »Willst du darüber reden?«, fragt er leise.
    »Weißt du was, ich glaube nicht«, sage ich und wische mir eine einzelne Träne fort. »Am liebsten möchte ich das Ganze möglichst schnell vergessen.« Ich schaue ihn an, und mir kommt ein verrückter, verwegener Gedanke. »Weißt du vielleicht, wie?« Und dann lege ich den Kopf in den Nacken und rücke etwas näher anihn heran. Ich weiß nicht, was da über mich gekommen ist, aber plötzlich möchte ich Sams warmen Mund auf meinem spüren und will, dass er mich wegbringt vom Irrsinn der vergangenen Stunden. Ich weiß, dass er das könnte, ich spüre es. Ich weiß nur nicht, warum ich das nicht schon viel früher gemerkt habe.
    Doch er wendet das Gesicht ab, und ich schäme mich schrecklich. Ich bin ein Idiot. Einmal habe ich ihn schon abblitzen lassen, ich habe die Sache mit Joel noch immer nicht geklärt, und gerade habe ich ihm von meiner verkorksten Familie erzählt. Ella ist bestimmt auch hier und kommt jeden Moment über die Kuppe.
    »Tut mir leid«, murmele ich und löse mich aus seinen Armen.
    »Muss es nicht«, sagt er und küsst mich auf die Stirn wie ein Vater sein Kind. »Sag mal, hast du heute Abend Zeit?«, fragt er und rubbelt mir die Arme, um mich ein bisschen zu wärmen. »Eine letzte Umgestaltung müssen wir noch angehen. Wir treffen uns um neun bei Hardy’s. Und mach dich schick!« Er tritt einen Schritt zurück und schaut linkisch über die Schulter nach hinten. »Ich muss los, aber wir sehen uns dann später, ja?« Und damit geht er, bleibt noch mal kurz stehen und lächelt mir zu, ehe er über den Hügel verschwindet, als sei er nie da gewesen.
Vierzigstes Kapitel
    D as vorher so verschlafene Kaufhaus erhebt sich stolz aus der Dunkelheit, als ich um kurz vor neun dort ankomme. Ich hatte Bedenken, ausgerechnet heute Abend hierherzugehen, aber Delilah hat darauf bestanden. Als ich ging, haben sie und Will und Mum sich gerade zusammengesetzt und versuchen nun, alles zu regeln, und Delilah meinte, sie schulde mir eine ganze Menge freier Abende für all meine

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