Im Auftrag des Tigers
vorwärtsdrücken, sondern auch schützen.
In diesem Augenblick vernahm sie das Geräusch. Ein leises ›blopp‹. Es wehte von drüben, von der Hausruine herüber.
Nun wieder, zweimal: blopp-blopp … Vielleicht ein brechender Ast? Aber hier gab es keine Bäume.
Na und, dachte sie. Dan hat es doch geschafft! Wir sind auf der anderen Seite!
Hier wuchs Gras. Die Piste …
Sie jubelte, rannte um den Wagen herum und warf sich in ihren Sitz …
Die Mauerreste, bestehend aus klatschnassen, sich auflösenden Lehmziegeln hatten wohl einmal ein Bananen Feld eingefaßt. Die Stauden trieben immer noch aus dem Gewirr von gelben, abgestorbenen Blättern.
Immerhin, sie boten Rückendeckung …
Wichtiger noch waren J.P. Bernier die Trümmer der Bruchbude: zersplitterter, dicker Bambus, ein paar Holzbalken, jede Menge uralter, grauer Palmwedel und haufenweise Mist, Büffelmist. Das Ding mußte ein Stall gewesen sein …
J.P. hatte sich aus zwei einigermaßen intakten Ziegeln so etwas wie eine Gewehrauflage konstruiert. Die Sicht nach links war ziemlich versperrt, auch wenn er durch die Bambusreste ein Stück der Piste erkennen konnte, die vom Wald nach Moong führte. Sogar auf der Karte war sie eingezeichnet: eine dicke, braune Linie. Wirkte fast wie so 'ne gottverdammte Straße. – Und was war sie in Wirklichkeit? Eine grasüberwucherte Scheißspur, in die man die Nase reinstecken mußte, um sie überhaupt zu finden.
Na gut, er war hier.
Und die anderen mußten kommen …
Die Sonne stand ziemlich tief, aber das Licht war gut. Und noch besser schien ihm der kleine Graben mit den beiden komischen Betonträgern …
Die Brücke existierte nicht mehr.
Mal sehen, wie dieser Wildhüter-Fritze oder was er ist, seine Karre rüberbringt, dachte er. Richtig aufregend muß das sein – nur leider, du kommst ja gar nicht in den Genuß der Schau! Er wird erst mal stoppen, die Räder ausrichten und dann losfahren. Falls es sich bei ihm um einen Gentleman handeln sollte, läßt er das Mädchen natürlich vorher aussteigen. Vielmehr, das muß er sogar in jedem Fall. Denn wer soll ihn sonst über die Brücke winken?
Und das, dachte J.P. Bernier, das ist dann genau die Sekunde …
Er schlug um sich und fluchte. An Insektenstiche war er gewöhnt, aber gleich vier in einer Sekunde und alle an derselben Stelle im Nacken …
Er klatschte die Hand auf die nasse Haut. Keine Moskitos. Irgendwelche Scheißmücken mit winzigen Stacheln.
Sechzehn Uhr fünfzig.
Die Yamaha-Geländemaschine lag im Bananen-Gestrüpp. Keiner würde sie sehen. Nicht bei der Anfahrt. Nachher allerdings wird das anders sein, überlegte er. Und da steckt auch dein Problem … Logisch mußt du ihm auch eine verpassen. Die hundertfünfzig Meter bis dort drüben sind deine ideale Schußentfernung. Und ein Zeuge, der zusieht, wie du auf dem Motorrad abdonnerst, wäre tödlich …
Er zog das Taschentuch heraus, faltete es sorgsam, legte es unter den Gewehrlauf und justierte im Zielfernrohr die Entfernung. Er tat es bereits zum dritten Mal … Und dann – ja, dann vernahm er den Motor.
J.P. Bernier rührte sich nicht. Jetzt waren ihm selbst die verdammten Stechmücken egal. Er wandte nur einmal kurz den Kopf, um zu überprüfen, was er ohnehin wußte: Der Toyota! Wer sonst käme auf die Idee, über zwei Zementträger hinweg in die Wildnis zu fahren?
Er drückte das Auge an das Okular. Alles gestochen scharf. Jedes Blatt, jeder Grashalm, jedes der verrosteten Armierungseisen, die sich an der kaputten Brücke dort aus dem Zement schoben.
Das Auspuffgeräusch wurde lauter, um dann ganz plötzlich zu verstummen, und nun war alles so, wie er es sich gewünscht hatte: Der Wagen stand. Er konnte den rechten Einstieg des Toyotas erkennen. Davor wehte irgend etwas herum, ein Fetzen Stoff, – vielleicht hatte die Kleine einen Schal oder ein Hemd aufgehängt? Wo blieb sie?
Na, abwarten. Geduld, Junge, soviel Geduld wie du hat keiner in diesem Gewerbe! Ist dein Trumpf, die einzigartige J.P.-Bernier-Geduld …
Und siehe, na also – da kommt sie doch! Steigt nicht aus, wie sich das für eine junge Frau gehört, nein, macht 'ne Art Sprung, federt in den Knien ab. Sportlich, die Tante, verdammt, aber was ist? Weg!
Die Mündung des Gewehrs schwenkte nach links, die Gummimanschette des Zielfernrohrs saugte sich an seiner Haut fest, die beiden Striche bildeten ihr Fadenkreuz: ein bißchen Haar. Ein Arm. Aber die Scheiß-Dame ist hinter dem Heck des Toyotas verschwunden.
Und dort
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