Julia Extra Band 0292
übersah.
„Commander Eduard de Marigny, Marquis of Merrisand“, stellte Carissa vor. „Mark Lucas.“
„Freut mich, Sie kennenzulernen, Lord Merrisand. Ich hatte keine Ahnung, dass meine Verlobte in so vornehmen Händen ist.“
Carissa spürte, wie Eduard neben ihr starr vor Anspannung wurde.
„Und ich hatte keine Ahnung von Ihrer Beziehung zu Carissa.“
Ihr riss die Geduld. „Ich bin nicht Marks Verlobte und war es nie.“
„Du erwartest mein Kind“, stellte er ruhig klar. „Und ich will dich heiraten.“
Sie musste bis fünf zählen, bevor sie imstande war, höflich zu antworten. „Davon hast du nicht geredet, als ich dir die Neuigkeit erzählt habe.“
„Ich hatte einen Schock, Schatz. Ein Mann erfährt nicht alle Tage, dass er Vater wird.“
Etwas Grausameres hätte Mark in Hörweite von Eduard nicht sagen können, und Carissa empfand tiefes Mitleid mit ihm.
„Ich überprüfe den Hubschrauber, während du deinen Gast bewirtest.“ Eduard gab ihr die Hausschlüssel.
Geh nicht!, wollte sie rufen, doch die Worte blieben ihr im Halse stecken. Bis sie sich wieder im Griff hatte, war Eduard bereits verschwunden.
„Du hattest kein Recht, hier aufzutauchen!“, fuhr sie Mark an.
„Unser Baby gibt mir das Recht.“
Sie würde sich das nicht länger anhören. Er hatte jeden Anspruch auf das Kind verloren, als er seinen schändlichen Vorschlag gemacht hatte. Mit zitternden Händen schloss sie die Tür auf. Mark folgte ihr in die Küche, bevor sie ihn daran hindern konnte.
„Wirklich ein tolles Haus.“ Neugierig sah er sich um. „Du hättest mir erzählen sollen, dass du deine Beziehungen zum Fürstenhaus wieder aufgenommen hast.“
„Dann wärst du schon früher erschienen? Und hättest vorgetäuscht, mich zu lieben, damit du meine Freunde ausnutzen kannst?“
„Ich nutze niemanden aus, ich mache Deals.“
„Von Jeff habe ich erfahren, dass du in letzter Zeit viel Geld verloren hast.“
Mark zuckte die Schultern. „Das kommt vor. Mit ein oder zwei guten Geschäften hole ich es wieder herein.“
„Und woher soll das Geld kommen, um diese … Geschäfte zu finanzieren?“
Er zögerte, bevor er erwiderte: „Von Investoren.“
Also hatte sie recht. Mark versuchte, sich aus ihrer Beziehung zu Eduard einen Vorteil zu verschaffen.
„Kaffee wäre schön“, sagte Mark, als sie nichts anbot. „Eine Stunde lang zu warten war kein Vergnügen.“
„Du hättest ja nicht zu warten brauchen.“ Um sich zu beschäftigen, kochte sie Kaffee. Nebenbei horchte sie auf Eduards Schritte. Sie hoffte, dass er zu ihnen zurückkehren würde. Damit sie ihm klarmachen konnte, dass sie nichts mit dem zu tun hatte, was Mark beabsichtigte.
Doch Eduard kam nicht.
Uneingeladen setzte sich Mark an den Tisch. Sie knallte eine Tasse vor ihn hin. Es kümmerte sie nicht, dass der Kaffee auf die Untertasse schwappte.
Carissa blieb stehen.
Den Kaffee rührte Mark nicht an. „Ich hatte gehofft, dass wir das wie zivilisierte Menschen regeln werden. Aber wenn es sein muss, kann ich auch anders.“
„Was soll das heißen?“
„Ich habe denselben Anspruch auf das Sorgerecht wie du.“
Sie spürte, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. „Was willst du wirklich?“
„Kluges Mädchen, du weißt, dass es nicht um die Vaterschaft geht. Wenn du mich dazu zwingst, werde ich allerdings schwören, dass mir nur mein Kind wichtig ist. Ich könnte vielleicht das Interesse an dem Baby verlieren, falls du deinen adligen Liebhaber dazu überredest, Kapital in meine Firma zu investieren. Sobald er mit einsteigt, wird sein Name andere überzeugen.“
„Er ist nicht mein …“, begann Carissa, dann verstummte sie, als sie Eduard an der Tür stehen sah.
„Wie viel wollen Sie?“, fragte er kalt.
Mark nannte eine Zahl, die Carissa nach Atem ringen ließ, aber Eduard verzog keine Miene.
„Wie oft?“
„Ich verstehe nicht.“
„Doch, ich denke, das tun Sie. Meistens versuchen Erpresser, nach der ersten Zahlung noch mehr aus ihren Opfern herauszuholen. Wie lange wird es dauern, bis Sie zurückkommen und mehr fordern?“
Mark stand auf, was ihm Carissa nicht verübeln konnte. Obwohl Eduard nur ein paar Zentimeter größer war als Mark, erweckte er den Eindruck, bedrohlich über ihm aufzuragen. Behielt er die Hände auf dem Rücken, um sich davon abzuhalten, Mark an die Gurgel zu gehen?
„Hören Sie, von Erpressung kann keine Rede sein. Es ist ein geschäftliches Angebot.“
„Das wird jeder Richter in
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