Kleine Luegen erhalten die Liebe
verärgern, und es war auch definitiv nichts Sexuelles. Am Ende hatte er es einfach nur noch satt, sich permanent entschuldigen zu müssen, weil sie andauernd verärgert war.
Nach der Beziehung zu Steph, die fünf Monate anhielt, hatte er mehrere Affären hintereinander, deren letzte Sara von Moussaka Evening Fame gewesen war, die heute als »Sara Moussaka« bekannt war und die er lieber vergessen würde (ein weiterer Grund, warum er sich fragte, warum zum Teufel er beschlossen hatte, Moussaka zuzubereiten).
Fraser hatte begonnen, sich einen Ruf als Ladykiller zu erwerben, was er allerdings für unfair hielt, da er seiner Meinung nach einfach nur gern in weiblicher Gesellschaft war. Mit Frauen konnte man reden, und es gefiel ihm auch, wie sie lebten. Frauen gingen spazieren und in Restaurants – all die Dinge, zu denen er in seinem Leben bisher noch nicht gekommen war und die ihn sich für eine Weile lebendiger fühlen ließen. Aber er hatte festgestellt, dass dieses Gefühl sehr bald verblasste, weil die Person, mit der er zusammen war, nicht die richtige war. Er merkte, dass er funkelnde Lichter, einen hohen Berg und einen schönen Tag brauchte, um ihre Gesellschaft zu genießen. Zumindest war es so, bis er Mia kennenlernte, mit der er noch immer liebend gern zusammen wäre, wenn sie den Tag im Großhandelsmarkt Asda in der Tiefkühlfisch-Abteilung verbringen würden – was sie in gewisser Weise sogar taten.
♥
Mia stand an jenem feuchtkalten Dezemberabend vor Frasers Haustür und atmete ein paarmal ein und aus. Sie hatte sich die ganze Woche auf diesen Moment gefreut, ja sogar die Tage bis dahin gezählt, und trotzdem hatte sie plötzlich Muffensausen und war mit den Nerven total am Ende.
Sie hatte tausend Mal überlegt, was sie anziehen sollte, und sich für ein smaragdgrünes Satintop und neue (billige) Jeans entschieden, die sie vor dem Anziehen hätte waschen sollen, da sich auf dem halbstündigen Weg zu Fraser, auf dem sie ständig ihre klammen Hände daran abgewischt hatte, ihre Finger und Handflächen blau verfärbt hatten. Jetzt sah sie so aus, als hätte sie tagelang in einer Leichenhalle gelegen.
Dass Fraser ihr keinen klaren Hinweis darauf gegeben hatte, worum es heute Abend ging, hatte ihr die Frage nach dem richtigen Outfit auch nicht einfacher gemacht. Als er sie einlud »vorbeizukommen«, hatten sie gerade ein gegrilltes Hähnchen bei Asda gekauft – was wohl kaum die Voraussetzung für ein großartiges Liebesabenteuer war. Aber davon abgesehen war ihr gemeinsamer Einkaufstrip alle zwei Wochen zu Asda ohnehin wohl kaum die Basis für eine bedeutungsvolle Liebesbeziehung.
Es war einfach nur so, dass Großeinkäufe dort billiger waren als im Laden auf dem Campus, und deshalb hatten Fraser und sie damit begonnen und teilten sich mit ihren Einkäufen ein Taxi auf dem Weg zurück zur Uni. Großer Gott, jetzt hör dir bloß mal zu!, sagte sie sich. War das wirklich ihre Idee gewesen, einen Samstagnachmittag »nutzbringend« in einem Großhandelsmarkt zu verbringen? Kein Wunder, dass Fraser sie noch nie zu irgendetwas eingeladen hatte!
Als sie jetzt auf den Eingangsstufen von South Road Nummer fünf stand, war sie immer noch nicht sicher, ob er sie jetzt eingeladen hatte: »Du solltest nächste Woche mal vorbeikommen«, war alles gewesen, was er gesagt hatte. Würden noch andere Leute da sein? Oder war das seine Art und Weise, sie zum Abendessen einzuladen? Zu einem Date? Mia hoffte, dass es so war, weil sie längst dabei war, sich in Fraser Morgan zu verlieben. Im Grunde war sie es schon seit dem Moment, in dem sie sich geküsst hatten – oder vielmehr, seit sie ihm um den Hals gefallen war und ihn geküsst hatte. Die Erinnerung daran trieb ihr noch immer die Röte in die Wangen, obwohl es schon über ein Jahr her war. Sie hatte total im Bann von Shane Parry gestanden, dem »Hypnotiseur extraordinaire« , der für die Erstsemester aufgetreten war und, was sie anging, bislang auch der Zerstörer ihres Liebeslebens an der Uni war. Als wäre es nicht schon demütigend genug, in Trance versetzt und angewiesen zu werden, Mitglieder des Publikums zu küssen! Zu allem Übel hatte er sie vorher auch noch eine rohe Zwiebel essen lassen wie einen Apfel, sodass sie auch noch schwer gestunken haben musste, als sie die anderen küsste.
Vernünftigerweise hatte sie seitdem behauptet, unter Gedächtnisschwund zu leiden.
Nachdem sie noch einmal tief durchgeatmet hatte, betätigte sie zweimal kurz den
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