Märchen aus 1001 Nacht
bitterlich. Mein Gatte aber sah mich mit den Augen des Zornes an und sprach die Verse:
Sag ihr, die unsere Liebe verschmähte und uns verstieÃ
Und die einem anderen Freund ihre Huld zuteil werden lieÃ:
âWir haben genug von dir, eh du uns ein Gleiches getan;
Was zwischen uns geschehen, widert schon längst mich an!â
Als ich das hörte, O Beherrscher der Gläubigen, da weinte ich, blickte ihn an und sprach diese Verse:
âDu trenntest mich von der Liebe und lieÃest dich ruhig nieder;Â
Du machtest die wunden Lider mir schlaflos und schliefest dann.Â
Du lieÃest zu meinem Auge die wachen Nächte einkehren;Â
Doch mein Herz vergaà dich nicht und meine Träne rann,Â
du schlossest mit mir einen Bund, du würdest die Treue halten;
Doch als du mein Herz besaÃest, da verrietest du mich.
Ich liebte dich wie ein Kind und wusste nichts von der Liebe;Â
Darum töte mich nicht; ein Lehrling der Liebe bin ich!
Ich bitte dich bei Allah, bin ich gestorben, so schreibe
Auf meines Grabes Tafel: âEin Sklave der Liebe ruht hier.â
Vielleicht tritt ein Betrübter, der Liebesqualen kennet,Â
Zum Herzen der Liebenden einst und hat Erbarmen mit mir.
Als ich mein Lied geendet hatte, weinte ich von neuem; doch als er das Lied hörte und mich weinen sah, packte ihn Wut über Wut und er sprach diese Verse:
Der Herzens Geliebte verlieà ich nicht überdrüssig in Willkür.Â
Nein, sie beging ein Verbrechen, das führte die Trennung herbei.Â
Sie wollte in unserer Liebe noch einen Gefährten haben:
Doch meines Herzens Glaube neigt nicht zur Vielgötterei.
Als er seine Verse geendet hatte, weinte ich wiederum und demütigte mich vor ihm; denn ich sagte zu mir selber: âIch will mit Worten auf ihn wirken; so wird er mir vielleicht doch den Tod erlassen, wenn er mir auch alles nimmt, was ich habe.â Also klagte ich ihm, was ich erlitten und sprach die Verse:
Bei deinem Leben, wärst du gerecht, du lieÃest mich leben.Â
Doch ist die Trennung beschlossen, wirdâs keinen Gerechten geben,Â
du ludest auf mich der Sehnsucht Qual, doch lass dir sagen:
Ich bin zu schwach und zu matt, mein eigenes Hemd zu tragen.Â
Ich staune nicht, dass ich sterben muss; nur das alleinÂ
Erstaunt mich, wird mein Leib ohne dich zu erkennen sein.
Als ich mein Lied geendet hatte, weinte ich wieder; doch er sah mich an; schrie mich an und schmähte mich und sprach diese Verse:
Du wandtest dich von mir zur Liebe eines anderen,
Du hast die Trennung verursacht; doch nicht so handelte ich.
Ich werde dich verlassen, wie du mich zuerst verlieÃest;
Und ich werde ohne dich leben, so wie du lebst ohne mich.Â
Eine andre werde ich lieben, wie du einen anderen liebtest;Â
Den Bruch der Liebe lad ich nicht auf mich, sondern auf dich.
Als er seine Verse geendet hatte, rief er dem Sklaven nochmals zu: âSpalte sie und erlöse uns von ihr; denn sie gilt uns nichts mehr!â Doch während wir noch, O Beherrscher der Gläubigen, uns gegenseitig mit Versen anredeten und wie ich mich schon auf den Tod gefasst gemacht, mit dem Leben abgeschlossen und meine Sache Allah anvertraut hatte, siehe, da kam die Alte hereingestürzt, warf sich meinem Gatten zu FüÃen, küsste sie ihm, weinte und rief: âO mein Sohn, bei meiner Pflege an dir und bei meinem Dienst für dich, verzeih dieser Frau; denn wahrlich, sie hat keine Schuld begangen, die ein solches Schicksal verdiente, du bist noch ein sehr junger Mann und ich fürchte, du wirst durch sie eine Schuld auf dich laden; denn es heiÃt: Wer da tötet, der soll getötet werden. Was liegt an dieser buhlerischen Person? Lass sie von dir gehen und vertreib sie aus deinem Sinn und deinem Herzen!â Dann weinte sie und lieà nicht ab, in ihn zu dringen, bis er nachgab und sagte: âIch vergebe ihr; aber ich muss ihr eine Spur aufprägen, die ihr Leben lang auf ihr bleiben soll.â Darauf befahl er den Sklaven, mich über den Boden zu schleifen, mir die Kleider herunterzureiÃen und mich auszustrecken; und während die Sklaven mich festhielten, holte der Jüngling einen Quittenzweig herbei, fiel damit über meinen Leib her und schlug immerfort auf Rücken und Flanken, bis ich die Besinnung verlor vor der Gewalt der Schläge und am Leben verzweifelte. Da nun befahl er den Sklaven, sie sollten mich gleich nach Einbruch der Dunkelheit
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