Pfad der Schatten reiter4
klangen, als wäre dies ein ganz alltägliches Vorkommnis, als wären sie einander zufällig an einem Markttag begegnet.
»Glück verheißend«, sagte Laren, »scheint mir etwas untertrieben zu sein. Diese Erdriesen … Ihr seid gerade noch rechtzeitig gekommen.«
»Wir haben sie gehört, wir wussten, dass sie auf der Jagd waren. Wissen Sie, unsere Pfade verlaufen ganz in der Nähe.«
Laren war zu benommen, um irgendetwas zu »wissen«, aber sie nickte. »Ich danke Euch. Ihr habt mir das Leben gerettet.«
»Das ist gut«, sagte Graelalea. »Und jetzt können wir zu Ihrem König weiterreisen.«
»Wie bitte?«
»Unser Treffen ist Glück verheißend, denn wir sind unterwegs, um Ihren König zu sprechen. Unsere Pfade haben sich gekreuzt, darum werden wir zusammen reisen.«
Laren klappte den Mund zu, als ihr auffiel, dass er offen gestanden hatte. Auf Elgins Gesicht zeichnete sich Ehrfurcht ab, gemischt mit Vorsicht.
So waren die Eleter – bezaubernd, überirdisch, die Verkörperung der Magie. Es war schwer, die eletische Mentalität zu begreifen, denn sie waren schon seit so langer Zeit aus der Welt verschwunden, sodass ihre Sitten den Menschen fremd waren. Außerdem waren sie gefährlich. Daran hegte Laren keinen Zweifel. Zur Bestätigung brauchte sie nur den Haufen toter Erdriesen hinter sich zu betrachten.
»Mein Pferd«, sagte sie, »ist müde. Es braucht Rast und Pflege.«
Mit einer eleganten Geste bedeutete Graelalea Laren, zu ihrem Pferd zu sehen. Als sie das tat, bemerkte sie, dass die
anderen beiden Eleter Sperlings Muskeln massierten und Salbe auf seine Schnittwunden auftrugen.
Graelalea selbst stellte ihren Langbogen ab und ging auf Sperling zu. Sie sprach leise auf Eletisch mit ihm, streichelte seine Nüstern und seine Stirn und kraulte ihn hinter den Ohren. Seine Augenlider entspannten sich, und er atmete ruhiger. Er senkte den Kopf und legte ihn in ihre Hände. Kiebitz sah und hörte interessiert zu, die Ohren gespitzt und den Blick hellwach.
»Ihm geht es gut genug, um weiterzulaufen«, sagte Graelalea in der gemeinsamen Sprache. »Wir werden langsam reisen.« Dann bemerkte sie Kiebitz’ Interesse, wandte sich der Stute zu und streichelte sie. Kiebitz beugte bei dieser Aufmerksamkeit den Nacken und stieß einen befriedigten Seufzer aus.
Laren und Elgin tauschten einen überraschten Blick.
»Sie ist eine alte Seele«, sagte Graelalea über Kiebitz, »aber sie hat ein junges Herz. Sie wird noch viele Jahre Ihre treue Begleiterin sein.«
Eine erstaunliche Veränderung vollzog sich in Elgins Gesicht. Die strengen Falten wurden weicher, und Laren dachte, ihr alter Kommandant würde weinen. Das tat er jedoch nicht. Stattdessen verbeugte er sich vor der Eleterin, was vielleicht sogar noch erstaunlicher war.
»Ich danke Euch«, sagte er. »Ich habe noch nie schönere Worte gehört.«
Der Hauch eines Lächelns spielte um Graelaleas Lippen. Sie standen alle still da, während der Schnee in schwindelerregenden Spiralen fiel und der Wald dunkler wurde.
»Ich … ich werde mich morgen früh um die Leichen kümmern«, sagte Elgin, als müsste er unbedingt das Schweigen brechen. »Jedenfalls um das, was die Aasfresser übrig lassen.«
Graelalea nickte und wandte sich Laren zu. »Hauptmann? Sind Sie bereit?«
»Ich … ich glaube schon.«
»Wenn Sie aufsteigen und reiten, werden wir schneller vorankommen.«
Obwohl die anderen zu Fuß unterwegs waren? Aber Laren stellte die Aussage der Eleterin nicht infrage. Sie schob einen Fuß in den Steigbügel, stieg auf und schnitt eine Grimasse, als sie ihre schmerzenden Muskeln spürte.
»Trinken Sie einen Schluck hiervon«, sagte Graelalea und reichte Laren ein Fläschchen.
Laren nippte vorsichtig daran und nahm dann noch einen Schluck. Sie hatte so etwas schon einmal gekostet, als die Eleter das letzte Mal Sacor-Stadt besucht hatten. Auf der Zunge fühlte es sich kühl und dennoch herzhaft an, und als die Flüssigkeit ihre Kehle hinunterrann, wärmte sie ihren ganzen Körper. Sie dachte an Sommerwiesen und den goldenen Sonnenaufgang auf dem taubedeckten Gras. Das Getränk lockerte ihre schmerzenden Muskeln und Gelenke und gab ihr Kraft und Energie zurück.
Eine kleine Menge löschte ihren Durst, und sie nahm noch einen Schluck, ehe sie das Fläschchen zurückgab.
»Das schmeckt wundervoll«, sagte sie.
»Es ist ein Sommertrank aus Eletien«, sagte Graelalea.
Sie verabschiedeten sich von Elgin und gingen einfach los. Graelalea führte, Sperling
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