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Schattenmächte: Kriminalroman (Krimi im Gmeiner-Verlag) (German Edition)

Schattenmächte: Kriminalroman (Krimi im Gmeiner-Verlag) (German Edition)

Titel: Schattenmächte: Kriminalroman (Krimi im Gmeiner-Verlag) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jörg S. Gustmann
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gleich bei dir. Du hast zu lange mit deiner Verlobten gequatscht. Leg auf!«
    Martin drückte die Stopp- Taste und setzte sich in Bewegung. Wie konnte Jerome nur in so kurzer Zeit über seinen genauen Standort Bescheid wissen? Martin bog um die Ecke und blickte jedem Menschen in die Augen. Ob Arzt, Pfleger, Schwester oder Patient. Jeder wurde kritisch gemustert. Noch immer trug er das Handy bei sich und suchte verzweifelt nach einem Mülleimer. Unten in der Halle hatte er einen gesehen, doch hier oben gab es nichts dergleichen. Er könnte es im Schwesternzimmer ablegen, dachte er, es einfach auf der Fensterbank vergessen. Er schaltete es aus und in dem Augenblick, als eine beleibte Schwester mit wehendem Kittel an ihm vorbeieilte, ließ er es in ihre linke Kitteltasche gleiten.
    Dann sah er zwei uniformierte Beamte um die Ecke kommen. Sie hielten ein kleines Gerät in der Hand, auf das sie schauten wie auf ein Navigationssystem. Sie erkannten ihn und blieben für zwei Sekunden ruhig stehen. Als sie bemerkten, dass er gewarnt war, beschleunigten sie ihre Schritte und kamen direkt auf ihn zu. Martin entschied sofort umzudrehen und lief, so schnell er konnte, den Flur entlang. Verstörte Blicke sahen ihm nach.
    Er drückte die Tür zum Treppenhaus auf und rannte die Stufen hinunter. Hinter sich hörte er Schritte, er rannte weiter. Im zweiten Stock betrat er wieder eine Station. Er hatte einen kleinen Vorsprung gewonnen und in dem Moment, als er hinter sich die Tür aufgehen sah, durch die die Beamten stürmen würden, öffnete er die nächstbeste Tür eines Krankenzimmers und schloss sie hinter sich. Er hörte die Schuhe der Beamten auf dem Linoleum vorbeiknatschen. Für einen Moment war er in Sicherheit, doch das Zimmer war nicht unbewohnt.
    Er war auf der Kinderstation gelandet. Hektisch sah er auf die Uhr. Fünf Minuten waren seit dem Gespräch mit Jerome vergangen, weitere zehn Minuten müsste er ausharren, bevor er sich auf den Weg zum Hinterausgang machen könnte. Mutig ging er in das Zimmer hinein und blickte in die erstaunten Augen eines Jungen um die dreizehn, der einen weißen Verband um den Kopf herum trug. An einer Stelle in Höhe der Stirn schimmerte Blut durch.
    »Hi«, improvisierte er kurz. Er redete das Erstbeste, was ihm in den Sinn kam. »Ich bin der Krankenhauspfarrer. Ich wollte dich mal besuchen kommen.«
    »Dann bist du der evangelische, was? Gestern war nämlich der katholische schon da.«
    Martin dachte einen Moment lang nach. Er befand sich in einem katholischen Krankenhaus, ergo würde es vermutlich auch nur einen, und zwar einen katholischen Pfarrer, geben. »Ja, das ist richtig, mein Junge. Darf ich mich setzen?«
    Der Junge verengte die Augen. Ein sonderbarer Pastor , fand er. Keine Soutane, kein Priesterkragen, stattdessen lange Haare, große Schweißflecken unter den Armen und er macht einen gehetzten Eindruck. »Na, okay«, sagte er und legte zweifelnd den Kopf schief.
    »Soll ich dir ’ne Geschichte erzählen?«
    »Wie, ’ne Geschichte?«
    Martin zuckte mit den Schultern und bemühte ein Lächeln herbei. »Na, irgendeine eben. Dir ist doch bestimmt langweilig, oder?«
    »Ich dachte, Sie wollen mir aus der Bibel vorlesen wie der von gestern?«
    »Ooch, nö. Ich erzähl’ dir lieber eine spannende Geschichte.«
    »Ist mir auch lieber. Na, dann mal los. Was denn für eine?«
    »Hm, mit Agenten und Verbrechern und so?«
    »Okay.« Seine Augen leuchteten. Er hatte sich versöhnt mit dem ulkigen Pastor.
    In den darauffolgenden Minuten, in denen Martin ständig auf die Uhr sah, erzählte er dem Jungen die Story, die er selbst gerade erlebte, und verkaufte sie ihm als erfundenen Agententhriller. Er erzählte ihm von einer Gruppe böser Verschwörer, die die Weltherrschaft anstrebten und die den Menschen einen Sender unter die Haut einpflanzen wollten, um sie an jedem Ort der Welt wiederfinden zu können .
    Der Junge blickte Martin scheel von der Seite an und zeigte ihm einen Vogel. »Blöde Geschichte«, entschied er. »Ich dachte, du erzählst mir mal was Nettes und nicht so einen Scheiß. Mir geht’s schon schlecht genug.«
    Martin schob den Ärmel an seinem Arm hoch. Noch drei Minuten. »Ja, ist echt ’ne blöde Geschichte. Ich muss jetzt auch wieder los. Muss mir ’ne neue ausdenken, okay?«
    »Besser ist ’s.« Der Junge verschränkte die Arme und sah aus dem Fenster. Wen die Kirche heutzutage so alles zu den Kranken schickt.
    Martin öffnete die Tür vorsichtig einen Spalt breit

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