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Schwarze Blüte, sanfter Tod

Schwarze Blüte, sanfter Tod

Titel: Schwarze Blüte, sanfter Tod Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Harry Thürk
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überlegte ich, was mir die Erkenntnis für Nutzen bringen konnte. Die Sache war durchaus erklärbar: Ich war der hiesigen Bruderschaft der San Tien Hui, dem Bund der drei Punkte zu dicht auf die Haut gerückt. Hatte durch den Artikel im Island Guardian veranlaßt, daß diese Kerle ihre Interessen um so mehr gefährdet sahen, je näher ich mich an die Hintergründe der Affäre um die Pacific Voice heranarbeitete. Dazu noch der Schreck darüber, daß angeblich eine uneheliche Tochter als Alleinerbin ins Spiel kam. Und der Fund in dem Grab, in dem doch angeblich der Erbe des Chefs der Pacific Voice liegen sollte ...
    Herauskommen aus diesem Keller konnte ich nur, wenn es mir gelang, den Typ zu überwältigen, der so freigiebig mit seinen Fußtritten verfahren war. Vorausgesetzt, er kam allein. Schaffte ich das nicht, würde er mich – im Auftrag seines Chefs, der vermutlich Chao Yan hieß – egal, ob ich alles sagte, was ich wußte, oder gar nichts, gefesselt ins Meer werfen. Die unaufwendigste Art, mich aus der Welt zu schaffen, und damit die Gefahr der Aufdeckung einer Geschichte, auf die die Polizei noch nicht gestoßen war, und wohl auch nicht so leicht stoßen würde, wie die Kerle annahmen, zu bannen. Das war nicht gerade dumm gedacht, denn jeder wußte, daß die Polizei – im Gegensatz zu einem gegen Bezahlung arbeitenden Privatermittler – Sachen, hinter die sie trotz einigem Suchen nicht kam, stillschweigend nach einer Anstandsfrist zu den Akten legte. Notfalls war da auch schon mal mit einem Bündel Geldscheinen nachzuhelfen, wenn es darum ging, die Frist abzukürzen. Das war in aller Welt so. Vermutlich würde es jetzt sogar leichter sein, nachdem es keine britischen Oberaufseher mehr gab.
    Mein Zeitgefühl sagte mir, daß es auf Mitternacht zuging. Ich verwendete nochmals Zeit darauf, meine Beinmuskeln zu trainieren. Wenn der Typ die Tür öffnete, würde ich ihn so anspringen, daß ich ihn mit beiden Füßen auf der Brust erwischte. Das würde ihm den Atem nehmen und ihn erst einmal umwerfen. Auf den Rücken. Entweder er brach sich dabei das Genick, oder ich mußte nachhelfen, um an sein Messer zu kommen. Was danach kam, davon hatte ich noch keine genaue Vorstellung. Nur daß es dabei um mein Leben ging. Und in solchen Situationen war mir bisher noch immer das eingefallen, was mir half, davonzukommen. Wenn auch manchmal erst im letzten Augenblick.
    Plötzlich ging alles sehr schnell. Eben noch hatte ich festgestellt, daß die Musik ausgesetzt hatte. Pause. Vermutlich traten da oben jetzt wieder Schiwa und Parwati auf. Gut eingeölt. Und möglicherweise trank Marietta Moreano gerade mit jemandem Sekt.
    Doch dann waren da Geräusche vor der Tür meines Gefängnisses. Schritte. Ich stellte mich genau dort auf, von wo aus ich den Typ selbst bei nicht ganz geöffneter Tür würde anspringen können. Und dann wartete ich, jeder Muskel gespannt.
    Es geschah weiter nichts, als daß der Schlüssel mit dem mir schon bekannten kratzenden Geräusch im Schloß gedreht wurde. Obwohl – ich hatte den Eindruck, er wurde danach wieder abgezogen. Aber da war ich mir nicht so sicher.
    Wieder das Geräusch, von dem ich annahm, daß es Schritte waren. Dann Stille. Kein Laut. Weder wurde die Tür geöffnet, noch gab es irgendein Anzeichen dafür, daß sich da draußen überhaupt jemand aufhielt. Eine Stille, die Gefahr zu verheißen schien. Ich wartete. Lauerte auf meine Chance. Als die Minuten vergingen, ohne daß etwas geschah, entschloß ich mich, nicht länger zu zögern. Mit einem Milligramm Glück mußte es mir gelingen, den Fußtrittexperten zu überrumpeln, allein mit meinen Füßen, selbst wenn ich bei der Aktion vor eigenem Schmerz in meiner Rippengegend und in den Hüften laut schreien würde.
    Ich riß an der Tür. Sie war offen. Also ließ ich sie weit aufschwingen und setzte, bevor sie an der Wand anschlug, zum Sprung an.
    Doch da war kein Gegner! Was bedeutete das? Ich verlor keine Zeit mit langen Überlegungen. Draußen verlief ein schwach beleuchteter Kellergang, der an der einen Seite zu einer Holztreppe führte, an der anderen zu einem an Dreck erblindeten Fenster. Kein Mensch zu sehen. Nichts. Doch dann blinkte auf dem Steinboden neben der Tür etwas. Ich bückte mich und entdeckte eines jener stabilen kleinen Hackebeilchen,

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