Star Trek - VOY - 014 - Das schwarze Ufer.rtf
Planeten nicht existieren.« Der Vulkanier
deutete auf einige bernsteinfarbene Symbole an der
Ryol-Doppelhelix.
»Ja«, sagte Janeway. Sie war mehr Technikerin als
Biologin, was sie jedoch nicht daran hinderte, die
Diskrepanzen zu erkennen.
»Entweder kommen die Ryol von einem anderen Ort«,
sagte der Doktor und bezog sich damit auf Tuvoks
Ausführungen, »oder alle anderen Lebensformen sind
importiert: Pflanzen, Insekten, Vögel, Affen, Bakterien und Pilze.« Er sah aufs Display des kleinen Computers.
»Um ganz ehrlich zu sein: Ich halte die zuerst genannte Möglichkeit für wahrscheinlicher. Die Ryol sind
Immigranten.«
»Oder Eroberer«, sagte Janeway und dachte über die
mögliche Bedeutung dieser Entdeckung nach. Sie nahm
den Computer vom Holo-Arzt entgegen und ließ die
Daten über Tier- und Pflanzenwelt von Ryolanow durchs Display scrollen. Es konnte kein Zweifel daran
bestehen, daß Tuvok und der Doktor die richtigen
Schlüsse gezogen hatten. »Grundsätzlich gibt es nichts daran auszusetzen, einen fremden Planeten zu
kolonisieren – in der Föderation ist so etwas praktisch Routine. Aber warum sollte den Ryol daran gelegen
sein, diesen Umstand geheimzuhalten? Was verbergen
sie vor uns?«
»Vielleicht trafen die Ryol vor so vielen Generationen auf diesem Planeten ein, daß sie ihren wahren Ursprung längst vergessen haben«, spekulierte Tuvok.
»Oder sie sind schlicht und einfach der Ansicht, daß uns diese Sache nichts angeht«, warf der Doktor ein.
»Ich verstehe, was Sie meinen«, sagte Janeway. Beide Erklärungen für die sonderbare Zurückhaltung der Ryol erschienen ihr plausibel. Das von der Ryol-DNS
enthüllte Geheimnis mochte faszinierend sein, aber
allein für sich genommen bot es kaum einen Grund zu
Besorgnis. Doch angesichts der jüngsten Ereignisse
vermutete Janeway ein anderes Motiv hinter den
Geheimhaltungsbestrebungen der Ryol. Fürchteten sie
vielleicht, daß die Voyager Anspruch auf den Planeten erheben könnte, wenn bekannt wurde, daß die Ryol
nicht von dort stammten? Das erschien
unwahrscheinlich. Janeway war absolut sicher, daß sie selbst und ihre Crew durch nichts auf irgendwelche
expansionistischen Absichten hingewiesen hatten. Wir haben betont, auf der Durchreise zu sein , dachte die Kommandantin. Wenn die Ryol nicht wollten, daß wir sie besuchen – warum luden sie uns dann ein, die vielen Schönheiten ihrer Welt zu genießen? Auf diese Weise entmutigt man keinen potentiellen Eroberer.
Noch immer glitten genetische Daten durch das Display des kleinen Computers, den Janeway in der Hand hielt.
Tuvok hatte die einheimischen Lebensformen des
Planeten mit großer Sorgfalt katalogisiert. Während
Janeway die Darstellungen betrachtete, erschien das
Bild einer semihumanoiden Gestalt.
»Einen Augenblick«, sagte sie und unterbrach das
Scrollen.
Ihr fiel etwas ein, und vor dem inneren Auge entstand ein ganz bestimmtes Bild. Es zeigte ihr einen kleinen Primaten mit rötlichem Fell, der ein Tablett mit
Vorspeisen trug. »Was ist, wenn der Planet bereits
bewohnt war, als die Ryol eintrafen?«
»Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen«, erwiderte der Doktor. Janeway erinnerte sich daran, daß der
holographische Arzt vermutlich das einzige
Besatzungsmitglied war, das die ›Tiere‹ der Ryol nicht kennengelernt hatte. Vielleicht befanden sich die wahren Einheimischen des Planeten die ganze Zeit über in unserer Nähe , überlegte sie. Wir hätten eben besser auf den Zimmerservice achten sollen.
Tuvok verstand, worauf die Kommandantin
hinauswollte. »Die Neffaler?« fragte er. »Eine
interessante Vermutung, obwohl ich nicht weiß, wieso sich deshalb unsere Beziehungen zu den Ryol
verändern sollten. Die Erste Direktive verbietet es, Einfluß auf eine bestehende soziale Ordnung zu
nehmen, ganz gleich, auf welche Weise sie entstanden sein mag.«
»Ja«, bestätigte Janeway. »Und in dieser Hinsicht habe ich ein ziemlich schlechtes Gefühl. Wieviel haben uns die Ryol verschwiegen, und aus welchem Grund?«
Wenn sie fähig sind, eine Spezies auszubeuten –
warum dann nicht auch eine andere ?
Ihr Insignienkommunikator piepste und lenkte sie von diesen Überlegungen ab.
»Hier Chakotay«, erklang die Stimme des Ersten
Offiziers. »B’Elanna hat sich vom Planeten gemeldet.
Sie meint, es sei sehr wichtig.«
»Verbinden Sie mich mit ihr«, sagte Janeway. Eine
Sekunde später hörte sie Torres. Starke Statik knisterte, so als müßten die von
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