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Zurueck ins Glueck

Titel: Zurueck ins Glueck Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Suzanne Higgins
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als
vorher. Zwei Tage lebte sie jetzt als Single, und die Zukunft lag düster und trostlos vor ihr. Gestern war sie mit Cathy und ihren Töchtern in eines der alten Landarbeiterhäuser unten bei den Ställen gezogen. Seit das Land mit Maschinen bearbeitet wurde, was Sean meist allein erledigte und nur dann Hilfskräfte anheuerte, wenn ihm die Arbeit über den Kopf wuchs, standen die hübschen kleinen zweistöckigen Gebäude zum größten Teil leer. In einem wohnte Sean, in einem anderen Caroline und Marcus. Caroline hatte ihr Haus natürlich komplett umgebaut und den gesamten oberen Stock in ein Atelier umgewandelt. Unten gab es ein kleines Schlafzimmer und einen geräumigen Wohn- und Essbereich.
    Stephanie hatte das größte der freien Häuser mit Beschlag belegt, was sie damit begründete, dass ihre Töchter wegen des großen Altersunterschiedes jede ein eigenes Zimmer brauchten. Das Haus verfügte über vier Schlafzimmer, ein großes Wohnzimmer, ein kleines Arbeitszimmer und einen Abstellraum. Die Küche war mit einem modernen Herd ausgestattet, den Stephanie aber nicht zu benutzen gedachte; sie zählte zur Mikrowellengeneration. Außerdem nahmen sie und die Kinder sämtliche Mahlzeiten im Herrenhaus ein. Mrs. Bumble behielt ihre Meinung bezüglich dieses Arrangements für sich, sie stockte lediglich ihre Lebensmittelvorräte um Delikatessen wie Frosties und Corn Pops auf. Stephanie drückte ihr eine Einkaufsliste in die Hand, und Mrs. B kaufte getreulich alles ein, was daraufstand. Aber Stephanie zog es außerdem der Gesellschaft wegen in das große Haus, doch sie erlebte zumeist eine Enttäuschung. Mrs. Bumble machte sich rar, sobald Steph sich in der Küche blicken ließ, ihr Vater saß stoisch in der Bibliothek und las, Caroline
hielt sich zu den unmöglichsten Zeiten im Haus auf und führte als Erklärung an, als Künstlerin müsse sie halt dann arbeiten, wenn sie sich in der richtigen Stimmung dazu befand. Laut James tauchte sie oft tagelang nicht auf. Mit Marcus verhielt es sich genauso. Er arbeitete in Dublin und pendelte jeden Tag zwischen Wicklow und der Hauptstadt hin und her. Für gewöhnlich kam er spät nach Hause und brach am nächsten Morgen früh wieder auf. Stephanie hatte versucht, ihn dazu zu bewegen, Zoë morgens zur Schule mitzunehmen, doch er hatte sofort mit der Begründung abgelehnt, er müsse zu früh los.
    Steph wandte ihre Aufmerksamkeit der Nanny zu. »Cathy, ich muss mit Dad sprechen. Mummy hat eben angerufen. Geben Sie den Kindern ihr Essen, ja?«
    Cathy nickte verdrossen. Allmählich hatte sie genug von diesem Job. In Dublin war es schon schlimm gewesen, aber hier in Wicklow sagten sich ja Fuchs und Hase gute Nacht. Hoffentlich saß sie nicht allzu lange hier fest.
    Stephanie wandte sich ab, ohne eine Antwort abzuwarten. Sobald sie den Kindern den Rücken zukehrte, zwickte Zoë Amy fest in den Arm. Chaos brach los, als die Kleine anfing zu brüllen und Cathy Zoë, die lauthals ihre Unschuld beteuerte und prompt in Tränen ausbrach, erbost ausschalt. Stephanie nahm von dem ganzen Tumult keinerlei Notiz. Sie ging in die Bibliothek, trat zum Barschrank und mixte sich einen doppelten Gin Tonic.
    »Möchtest du auch etwas, Dad?«, fragte sie.
    »Nein, danke, Stephanie. Ich denke, ich lege heute eine Trockenzeit ein.«
    »Wie geht’s deinem Kopf?«
    »Besser. Ein paar Stunden Schlaf haben Wunder gewirkt«, erwiderte James verlegen.

    Stephanie blieb neben dem Lehnsessel ihres Vaters stehen. Sie empfand die Wärme des Kaminfeuers als seltsam tröstlich. Früher hatte sie nie großes Interesse an der Bibliothek gezeigt; sie begann erst jetzt zu begreifen, was für einen behaglichen Zufluchtsort dieser Raum darstellte. Ihr Blick wanderte über die gut gefüllten Regale. Einige Bücher waren sehr alt, andere funkelnagelneu. Von einer Gesamtausgabe der Werke von Shakespeare bis zu allem, was Robert Ludlum je geschrieben hatte, war alles vertreten. James, ein Bücherwurm erster Güte, verbrachte den größten Teil seiner Zeit hier, seit er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte. Einige Regale enthielten Roses Lieblingslektüre. Sie bevorzugte Autobiografien, besaß aber auch die gesammelten Werke von Cathy Kelly und Jilly Cooper.
    Stephanie blickte zum Fenster hinüber. Der Oktober war ins Land gezogen, die Temperaturen schlagartig gesunken. Die Bäume schienen von einem Tag auf den anderen sämtliche Blätter verloren zu haben; ein sicheres Zeichen dafür, dass der erste Hauch von

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