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056 - Der Werwolf

056 - Der Werwolf

Titel: 056 - Der Werwolf Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hivar Kelasker
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starrte durch einen der Schlitze auf die Straße hinunter. Sie war leer, nur abgestellte Wagen waren zu sehen.
    Wenn Gerd nicht wäre, hätte er mich bereits umgebracht. Wer auch immer, Christian oder der Wolf. Sie drehte sich herum und sah dankbar zu dem Schlafenden hinüber.
    Zuerst war ihr Gerd wie einer der vielen Playboys vorgekommen. Er besaß einen tollen roten Wagen, eine große, besteingerichtete Wohnung, sportliche Maßkleidung und hatte entsprechende Manieren.
    Nur langsam hatte sie begriffen, daß Gerd ein ernsthaft und hart arbeitender Mann war. Als er sie einmal nach Otterfing mitgenommen hatte, wußte sie, wie hart er sich sein Geld verdiente. Sie wußte, daß er oft niedergeschlagen, enttäuscht und erschöpft war.
    Barbara Franke ging zum Bett zurück, setzte sich neben Gerd Franke und strich ihm vorsichtig eine Haarsträhne aus der Stirn.
    Ich sollte auch schlafen, dachte sie.
    Sie trank das Glas leer, stellte es vorsichtig ab und schmiegte sich an den Körper des schlafenden Mannes, der sich warm und zärtlich anfühlte. Am nächsten Morgen fanden sie den Hund auf den Stufen des Hauses. Barbara und Gerd dachten nicht mehr an Schlaf. Ihre Angst steigerte sich von Stunde zu Stunde.
     

     

Dr. Becker riskierte, ausgelacht zu werden und setzte gleichzeitig sein Leben aufs Spiel, als er am hellen Mittag durch eine der stillen Straßen des nördlichen Vorortes fuhr. Wie leicht konnte der Wolf ihn hier überfallen, aber er mußte Delius warnen, ehe es zu spät war.
    Der Arzt fuhr langsam und konzentriert. Auf dem Beifahrersitz lag die gesicherte Waffe mit dem dunklen Lauf und den hellen, polierten Griffschalen.
    „Vermutlich erklärt er mich für verrückt“, murmelte Becker und bog nach rechts in eine Villenstraße ein. Er suchte Tore und Zäune nach einer bestimmten Hausnummer ab.
    Vor einer halbhohen Hecke hielt er an. Das Haus lag auf der gegenüberliegenden Seite. Er nahm den Revolver, entsicherte ihn und steckte ihn in die Innentasche seiner Jacke. Dann überquerte er die Fahrbahn. Vor dem Eingangstor blieb er stehen und drückte den Kopf unter dem Schild mit dem Namen Delius.
    Sekunden vergingen, dann fragte eine Stimme aus der Lautsprecheranlage: „Wer ist da, bitte?“
    „Dr. Becker. Ich werde erwartet“, erwiderte Becker und drückte das schmiedeeiserne Tor auf. Die Einfahrt war mit Steinquadern ausgelegt, zwischen denen Grasbüschel hervorsahen.
    Auf halbem Weg blieb der Arzt stehen und sah sich um. Ein Gelände, wie geschaffen für den Wolf, dachte er. Hier konnte er ohne Schwierigkeiten auftauchen, töten und wieder verschwinden.
    Die riesigen Glastüren standen zum Teil offen, und es gab genügend Fenster und Einstiegsmöglichkeiten, die durch hohe Sträucher verdeckt waren.
    Gerd gab sich einen Ruck und ging weiter. Ein mittelgroßer, schlanker Mann erwartete ihn auf den flachen Stufen des Eingangs.
    „Dr. Becker?“ fragte er und sah den Arzt durch die getönten Brillengläser an.
    „Ja. Wir haben vorhin miteinander telefoniert.“
    „Delius“, stellte sich der Direktor vor. Sie gaben sich kurz die Hand.
    Kein unsympathischer Mensch, dachte Delius. Aber sein Anliegen scheint problematisch zu sein. Er bat Dr. Becker ins Haus und ließ ihn in einen großen, hellen Raum eintreten, der mit sehr geschmackvollen Möbeln und wertvollen Grafiken ausgestattet war. Viele Bücher füllten die Wandregale.
    „Setzen wir uns doch“, meinte Direktor Delius.
    „Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, wird Sie keineswegs erfreuen“, begann Dr. Becker.
    „Einen Gintonic?“ unterbrach Delius.
    Gerd nickte, dann fuhr er fort: „Ich fühle mich verpflichtet, Sie davon zu unterrichten, denn möglicherweise rette ich Ihnen damit das Leben. Ich bin Psychotherapeut und habe einen Ihrer Bankkunden behandelt. Ich meine Christian Franke …“
    Becker berichtete, was er über Franke wußte und was er befürchtete.
    Delius ließ seinen Besucher ausreden. Er unterbrach ihn mit keinem Wort, betrachtete ihn nur aufmerksam und trank in kleinen Schlucken.
    „Der Chef der Einsatzkommission wollte Sie übrigens persönlich anrufen. Hat er sich schon gemeldet?“
    „Sie meinen Hartmann? Nein, noch nicht.“
    „Die Aufrufe sind Ihnen aber bekannt?“
    Delius nickte. „Trotzdem kann ich mich Ihrer Ansicht nicht anschließen, Herr Dr. Becker. Weshalb sollte Franke oder dieser seltsame Wolf ausgerechnet meine Familie und mich angreifen? Ich sehe da wirklich keinerlei Zusammenhang.“
    Dr. Becker

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