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Adam Dalgliesh 14: Ein makelloser Tod

Adam Dalgliesh 14: Ein makelloser Tod

Titel: Adam Dalgliesh 14: Ein makelloser Tod Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: P. D. James
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sind der Sohn eines Priesters,
und man sollte den Einfluss der Familie nicht unterschätzen –,
dann war das unsere Sünde. Candace hat die Schwangerschaft geheim
gehalten, und als sie sich nicht mehr geheim halten ließ, ist sie ins
Ausland gefahren. Nach ihrer Rückkehr brachte sie das Baby in ein Heim
in London. Es bereitete mir keine Schwierigkeiten, private Pflegeeltern
zu finden, die das Kind später adoptiert haben. Ich war Anwalt; ich
hatte die nötigen Verbindungen und das Geld. Außerdem wurde damals noch
nicht alles so kontrolliert.
    Candace war während der ganzen Zeit völlig ungerührt. Wenn sie
ihr Kind geliebt hat, so ist es ihr gelungen, das zu verbergen. Nach
der Adoption haben wir uns nicht mehr getroffen. Eine echte Beziehung,
auf die wir hätten aufbauen können, gab es zwischen uns nicht, und mit
losen Verabredungen hätten wir nur Peinlichkeiten, Scham, die
Erinnerungen an Unannehmlichkeiten und Lügen und Risiken für unsere
Karrieren heraufbeschworen. Die Zeit, die sie durch die Schwangerschaft
verloren hat, hat sie später in Oxford wieder aufgeholt. Ich glaube,
sie hat Altphilologie studiert, um die Liebe ihres Vaters zu gewinnen.
Soweit ich weiß, ist ihr das nicht gelungen. Annabel – selbst
den Namen haben die Pflegeeltern ausgesucht – hat sie nicht
mehr wiedergesehen, bis sie achtzehn war, aber ich glaube, danach sind
sie in Kontakt geblieben, wenn auch nur indirekt. Sie hat nie jemandem
erzählt, dass es ihr Kind war. Anscheinend hat sie herausgefunden, an
welcher Universität Annabel einen Studienplatz bekam, und sich dort um
eine Stelle beworben, obwohl es nicht die erste Wahl für eine
promovierte Altphilologin war.«
    »Haben Sie Candace je wiedergesehen?«, fragte Dalgliesh.
    »Nur ein einziges Mal, zum ersten Mal nach fünfundzwanzig
Jahren. Und gleichzeitig zum letzten Mal. Am Freitag, den 7. Dezember,
kam sie von ihrem Besuch bei Grace Holmes, der alten Krankenschwester,
aus Kanada zurück. Mrs. Holmes ist als einzige Zeugin von Peregrines
Testament noch am Leben. Candace ist hingefahren, um ihr einen
bestimmten Geldbetrag zu überbringen – ich glaube, sie sagte
etwas von zehntausend Pfund –, als Dank für ihre Hilfe bei der
Pflege von Peregrine Westhall. Die andere Zeugin, Elizabeth Barnes,
gehörte zum Haushalt der Westhalls und war im Ruhestand. Sie hatte eine
kleine Pension bekommen, die natürlich mit ihrem Tod endete. Candace
war der Meinung, Grace Holmes hätte eine Belohnung verdient. Sie wollte
auch unbedingt, dass die Krankenschwester das Datum des Todes ihres
Vaters bestätigte. Sie hat mir von Robin Boytons lächerlicher
Anschuldigung erzählt, sie hätten den Toten in einer Gefriertruhe
konserviert, bis achtundzwanzig Tage nach dem Tod des Großvaters
verstrichen waren. Hier ist der Brief, den Grace Holmes geschrieben und
den sie ihr gegeben hat. Sie wollte, dass ich eine Kopie davon erhalte,
vielleicht als Absicherung. Im Notfall hätte ich ihn an die Leitung der
Kanzlei weitergeben sollen.«
    Er hob die Kopie des Testaments an, zog ein Blatt Papier
darunter hervor und reichte es Dalgliesh. Der Brief trug das Datum vom
5. Dezember 2007. Er war handgeschrieben, in großen, sorgfältig
gemalten Lettern.
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Miss Candace Westhall hat mich
gebeten, Ihnen eine Bestätigung des Sterbedatums ihres Vaters Dr.
Peregrine Westhall zu schicken.
    Er verstarb am 5. März 2007.
    An den zwei vorangegangen Tagen
hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Dr. Stenhouse kam am
3. März zu einem Hausbesuch, verschrieb ihm aber keine neuen
Medikamente. Professor Westhall ließ den örtlichen Pfarrer rufen,
Reverend Matheson, der unverzüglich kam. Seine Schwester brachte ihn im
Auto her. Ich war zu der Zeit im Haus, aber nicht im Krankenzimmer. Ich
hörte den Professor schimpfen, konnte aber nicht verstehen, was Mr.
Matheson sagte. Sie blieben nicht sehr lange, und der Reverend machte
einen bekümmerten Eindruck, als er das Haus verließ. Zwei Tage danach
verstarb Dr. Westhall, und bei seinem Ableben war ich mit seinem Sohn
und Miss Westhall im Haus. Ich habe den Toten aufgebahrt. Außerdem habe
ich mit meiner Unterschrift seinen Letzten Willen bezeugt, den er
selbst eigenhändig und handschriftlich verfasst hatte. Das muss
irgendwann im Sommer 2005 gewesen sein, an das genaue Datum erinnere
ich mich nicht mehr. Es war das letzte Testament, das von mir bezeugt
wurde, allerdings hatte Professor Westhall in den vorangegangenen
Wochen noch

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