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Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)

Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)

Titel: Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Christin Thomas
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überlassen. Mit den Jahrhunderten zerfielen die Mauern Stück für Stück. Ganze Häuser stürzten in sich zusammen. Risse durchzogen die Straßen und das Wasser eroberte nach und nach die Stadt. Viele der Trümmer sanken auf den Grund des Grauen Sees. Man munkelte, dass der ehemalige Älteste ebenso in ihm ertrank. Er war der einzige Obscura, der damals zurückgeblieben war. Den Legenden nach nahm er ein altes Buch mit in den nassen Tod. Welch kostbares Wissen das Buch enthalten hatte, war immer wieder Anlass für die wildesten Spekulationen. Unzähligen Geschichten kursierten in Cataneo darüber. Daran dachte auch Morris, je tiefer sie in den Nebel eintauchten, der über dem See und dessen Ufer hing. Für einen kurzen Moment blitzte in ihm die Erinnerung an die Schriftrolle auf, die Failon ihm gezeigt hatte.
    »Kann ich Euch etwas fragen Draconer?«
    »Nur zu, Hauptmann.«
    »Kennt Ihr die Geschichten um die Obscura-Hochburg?«
    »Ja, sicher. Man sagt, man kann noch heute die Trauer spüren, die über diesen Ort fiel.«
    »Ich empfinde es als wesentlich erdrückender und da ist noch etwas anderes, das –«
    Der Draconer hielt plötzlich sein Pferd an und legte den Zeigefinger an die Lippen. Morris verstummte erschrocken und riss am Zügel. Dann hob er schnell die Hand, als Zeichen für die Menschen hinter ihm, stehenzubleiben. Die braunen Augen des Drachenmenschen blickten bohrend nach vorn in den dichten Nebel. Morris versuchte ebenfalls, etwas zu erkennen, doch er konnte einfach nichts sehen, das weiter als zehn Schritte von ihm entfernt lag. Beunruhigt umfasste er den Griff seines Schwerts.
    Annoth sah zum Hauptmann hinüber und flüsterte ihm leise zu: »Euer Gefühl scheint Euch nicht zu täuschen.«
    Vor ihnen tauchte langsam ein dunkler Schatten auf. Er bewegte sich direkt auf sie zu und Morris konnte vor lauter Anspannung nur schwer atmen. Erst als der Schatten auf einmal stehenblieb und die Gruppe entdeckte, sprang Annoth vom Pferd. Der Draconer richtete rasch die Klinge auf den Fremden. »Eine falsche Bewegung, Verbrannter und Ihr verliert Euren Kopf!«
    Der Mann warf das Schwert, das er in der Hand hielt, auf den Boden und hielt die Hände hoch über seinen Kopf. »Ich bin nur auf der Suche nach einem Freund! Ich will ganz sicher keinen Ärger. Verschont mich!«, bat er.
    Morris kannte die Stimme, wusste aber im ersten Moment nicht woher. Dann fiel es ihm wieder ein. »Haltet ein, Annoth!«, rief er eilig und stieg rasch vom Pferd. »Dieser Sandari ist kein Feind!« Er eilte dem Mann entgegen. Und tatsächlich: Es war Xeroi, vor dem Annoth mit erhobenem Schwert stand. Der Sandari war voller Dreck und sah sehr erschöpft aus.
    »Hauptmann Morris«, begrüßte Xeroi ihn erleichtert. Der Sandari-Wirt humpelte langsam auf ihn zu. Den Blick, der in seinen Augen lag, kannte der Hauptmann. Ebenso hilflos, wie Xeroi dreinschaute, hatte auch er sich gefühlt, als er vor so vielen Tagen und Nächten dem Priester gegenübergestanden hatte.
    »Sie haben ihn, Morris!«, sprach Xeroi verzweifelt. Seine Hände umklammerten den Arm des Hauptmannes.
    Annoth ließ langsam sein Schwert sinken.
    Morris sah den Sandari besorgt an. »Sprecht Ihr von Priester Failon?«
    Xeroi nickte bekümmert. Er kämpfte gegen die Tränen an, die ihm in die Augen traten. Seine Gebete waren erhört worden: Eine ganze Armee aus Männern schien dem Hauptmann zu folgen. Er hörte die vielen Menschen, auch wenn er sie wegen dem Nebel nicht genau erkennen konnte. Jetzt hatte er eine Chance gegen die Orks, mit Morris’ Männern an seiner Seite.
    »Ihr müsst mir sagen, was passiert ist.« Mit diesen Worten riss der Hauptmann ihn aus seinen Gedanken.
    »Es ist so viel geschehen. Ich bin unendlich froh, Euch zu sehen, Hauptmann.«
    »Das glaube ich Euch, aber nun sprecht. Vielleicht ist der Obscura nicht verloren.«
    »Es sind bereits so viele Tage und Nächte vergangen. Wir waren im Wald der Exindur …«, begann Xeroi zu erzählen. »Der Priester und ich planten, rasch hindurch zu gehen. Doch unsere Erschöpfung zwang uns, eine Rast einzulegen. Mir fielen sofort die Augen zu und ich schlief fest ein. Als ich erwachte, war er fort, ebenso wie unsere Vorräte. Ich war mir sicher, dass ihm etwas zugestoßen war, also ging ich los, tiefer in den Wald hinein.«
    Morris sah ihn erschrocken an. »Ihr habt einander im Wald der Exindur verloren?«
    Der Sandari nickte und schluckte schwer.
    »Dann müssen wir sofort einige der Männer in den Wald

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