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Das Vermächtnis von Thrandor - Der Pfad der Jägerin

Das Vermächtnis von Thrandor - Der Pfad der Jägerin

Titel: Das Vermächtnis von Thrandor - Der Pfad der Jägerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mark Robson
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sie im Gesicht und am Körper überall dort anschwoll, wo sie getroffen worden war. Die Knöchel waren blutig und dick, und es würden Tage vergehen, bis sie die Finger wieder richtig würde bewegen können.
    Der Hauptkampf oben am Weg war noch in vollem Gange. Jenna erkannte mehrere ihrer Kameraden, die sich tapfer gegen die Übermacht zur Wehr setzten. Mit einem Anflug von Trauer wurde ihr klar, dass sie nicht zu ihnen zurückkehren konnte. Auch wenn es ihr gelänge, sich den Hang wieder nach oben zu schleppen, war sie nicht in der Verfassung zu kämpfen. Sie musste sich entscheiden. Sollte sie zu dem verabredeten Treffpunkt zurückkehren, um zu den Überlebenden des Überfalls zu stoßen? Oder sollte sie die Gelegenheit nutzen und sich auf die ersehnte Reise machen?
    Ganz anders, als Jenna vermutet hatte, fiel ihr die Entscheidung unendlich schwer und noch Wochen später fragte sie sich, ob sie die richtige Wahl getroffen hatte.
    Jenna setzte den Rucksack wieder auf und zog die Riemen fest. Er fühlte sich doppelt so schwer an wie zuvor. Ächzend hob sie den Akarholzbogen aus dem hohen Gras auf und konnte sich angesichts des Zustands ihrer Hände nicht vorstellen, dass sie ihn je wieder würde spannen können. Als sie den blutigen Dolch aus der Brust des Werwolfes zog und ihn an Farnblättern abwischte, stand ihr Entschluss fest. Sie ging festen Schrittes in den Wald hinein.
    »Halt durch, Calvyn. Ich komme«, murmelte sie. Dann setzte sie, etwas lauter und kämpferischer, hinzu: »Ich hoffe für dich, dass es dich wirklich gibt, alter Mann.«

8
    Jenna erwachte mit einem Schrei und krabbelte hastig aus dem Schlafsack. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Als das Pferd, das sie mit weichen Nüstern beschnuppert hatte, scheute und wieherte, ließ sie sich erleichtert zu Boden sinken. Obwohl ihr die angeknacksten Rippen wieder schreckliche Schmerzen bereiteten, grinste sie die klapprige Stute an.
    »Du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt, altes Mädchen«, sagte Jenna sanft und setzte sich auf.
    Das Pferd beäugte sie misstrauisch und schnaubte, noch zitternd vor Schreck.
    »Es tut mir ja leid, dass ich so geschrien habe, aber was erwartest du, wenn du schlafende Leute erschreckst?«, fuhr Jenna fort.
    Langsam und bedächtig hob die Apfelschimmelstute das rechte Vorderbein und stampfte mit dem Huf.
    »Soll das heißen, ich habe verschlafen?«, sagte Jenna und musste lachen, als das Pferd erneut wieherte und mit dem Kopf nickte. »Oh, bring mich nicht zum Lachen, das tut so weh!«
    Stöhnend drückte sie den Rücken durch, rieb sich die Muskeln unterhalb der Nieren und drehte den Kopf hin und her. Als sie vorsichtig ihre Rippen betastete, zuckte sie vor Schmerz zusammen.
    Die kalte Nacht war bereits ein Vorbote des nahenden Winters, an den Jenna angesichts der anstehenden Wanderung ins Vortaff-Gebirge mit Schaudern dachte. Obwohl sie
sich den Rucksack und die Gürteltaschen vollgepackt hatte, wusste sie nur zu gut, dass sie mit ihrer Ausrüstung denkbar schlechte Chancen hatte, in so einer unwirtlichen Umgebung zu überleben.
    »Schade, dass ich dich nicht mitnehmen kann«, sagte Jenna wehmütig zu der Stute und schlug den Segeltuchumhang zur Seite, unter dem sie ihre Habseligkeiten vor dem Morgentau geschützt hatte. »Ein Pferd könnte ich gut gebrauchen. Aber ich kann dich ja wohl kaum deinem Besitzer wegnehmen.«
    Nach einem dürftigen Frühstück aus Haferkeksen und einem Becher Dahl, den sie in dem wieder entfachten Feuer vom Vorabend erwärmte, setzte sich Jenna vorsichtig den Rucksack auf und befestigte die Taschen am Gürtel. Die kräftige Apfelschimmelstute hatte ohne sichtbares Interesse gegrast, während Jenna ihre Taschen gepackt, das Feuer ausgetreten und die Feuerstelle mit feuchter Erde abgedeckt hatte.
    »Mach’s gut, altes Mädchen«, sagte Jenna zu dem Pferd und tätschelte ihm freundlich den Hals. Dann machte sie sich auf den Weg.
    Jenna verließ die Baumgruppe, die ihr über Nacht Deckung geboten hatte. Nach und nach gelang es ihr, den Rucksack so zurechtzurücken, dass es einigermaßen bequem war, und ihre Schritte zu beschleunigen. Das Pferd allerdings, so schien es, ließ sich nicht so leicht abhängen. Jenna bemerkte erst nach gut hundert Metern, dass das Tier ihr folgte. Seufzend drehte sie sich um und sagte: »Bleib stehen, wo du bist. Auch ohne einen Pferdediebstahl stecke ich schon tief genug in der Patsche. Geh nach Hause.«
    Es war lächerlich, sich mit einem Pferd zu

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