Oliver Hell - Gottes Acker (German Edition)
Zusammen betrachteten sie das Projektil, was sie vorsichtig in einen Beutel hatte fallen lassen. Ein paar Partikel Putz bröselten mit hinein.
„ So eine 10mm-Kugel ist schon etwas Besonderes“, sagte Böhm.
„ Hmh, man sieht ja, was so ein Teil anrichtet. Sie scheint noch gut intakt zu sein“, antwortete Beisiegel.
Hell zeigte auf die Kugel. „Ich bekomme sofort einen Bericht von Ihnen“, sagte Hell und schaute auf seine Armbanduhr. Er nickte den beiden Frauen zu und verließ das Schlafzimmer.
*
Die Sache einmal in die eigenen Hände nehmen. Darauf freute sich Klauk. Er überlegte erneut an seinem Gedankengebäude, was er sich bereitgelegt hatte. Überthür hatte kaum eine Regung gezeigt am Telefon. Klauk hatte ihm mitgeteilt, dass Hell noch mit der Ermittlung beschäftigt war. Daher würde er heute für seinen Chef einspringen. Sie besprachen ihre Strategie, legten sich die Antworten auf die Fragen parat und waren schnell fertig mit dem Telefonat.
Es waren immer die gleichen Fragen, wenn es um einen entführten Prominenten ging. Man konnte sich hervorragend darauf einstellen. Immer das stereotype Herantasten, es war schon merkwürdig, wie gut man nach einigen Jahren die Synapsen-Schaltungen der Journalisten kennengelernt hatte.
„ Sie haben völlig Recht“, sagte Überthür und schaute in die Runde der Journalisten, „Es darf eigentlich keine Sekunde mehr dauern, bis wir ihren Kollegen Demian Roberts finden. Da bin ich völlig bei Ihnen, meine Damen und Herren. Ich gehe ihn auch selber suchen. Das mache ich sofort. Wenn Sie mir sagen, wo ich anfangen soll, zu suchen.“
Überthür überraschte die Meute der Presse damit. Sie hatten auf den bisherigen Pressekonferenzen immer mit der Ignoranz von Kommissar Hell oder den anderen Beamten zurechtkommen müssen. Auch die Journalisten wussten, was sie zu fragen hatten und sie kannten meist auch schon die Antworten. Doch jetzt herrschte ein paar Sekunden Stille.
„ Wollen Sie damit sagen, Herr Staatsanwalt, dass Sie nicht wissen, in welche Richtung Sie ermitteln sollen?“, fragte eine Frau aus dem Auditorium.
„ Ohne Wenn und Aber: Ja!“
Ein Raunen ging durch die Reihen. Hier ging es nicht darum, den Menschen etwas vorzumachen. Hier ging es um die Wahrheit. Überthür zeigte Mut.
„ Wir sind dabei, die letzten Stunden von Demian Roberts zu rekonstruieren“, sagte Klauk, nachdem ihm Überthür ein Stichwort gegeben hatte, „Ich kann Ihnen sagen, dass Herr Roberts am Donnerstag ein Päckchen erhielt. Wir wissen nicht, was dieses Päckchen enthielt, wir wissen auch nicht, wer dieses Päckchen verschickte. Wir haben in der Wohnung von Herrn Roberts kein Päckchen gefunden. Wir haben auch bisher keine weitere Spur, die wir weiterverfolgen können. Daher bauen wir voll und ganz auf ihre Mithilfe, meine Damen und Herren von der Presse. Diejenigen, die Demian Roberts noch am Donnerstag oder am Freitag gesehen haben, sollen sich bei der Kripo Bonn melden.“
„ Denken Sie, dass dieser mysteriöse ‚Oskar‘ etwas mit der Entführung zu tun hat?“, wurde gefragt.
Klauk beugte sich nach vorne und sprach in das Mikrofon, „Wir müssten ganz wüst spekulieren. Das tun wir nicht. Also kann ich Ihnen nur im Namen der Kripo Bonn sagen, dass wir es nicht wissen.“
Klauk knauserte mit dem Wissen, was sie durch den Abschiedsbrief von Dr. Gernot Winkmüller gewonnen hatten. Der Selbstmord des Chemikers war noch nicht in der Presse angekommen. Es gab zwar darüber schon eine Mitteilung auf der Homepage der Kriminalpolizei, aber Hell hatte angeordnet, dass bis zur Klärung der Zusammenhänge noch keine Verlautbarung über den Abschiedsbrief und das Geständnis von Gernot Winkmüller getätigt werden sollte.
„ Finden Sie, dass eine solche Aussage unsere Leser beruhigen kann?“, fragte eine Reporterin vom Bonner Generalanzeiger.
Überthür antwortete sofort. Wieder schaute er sich im Saal um, während er sprach.
„ Wissen Sie, wir sind hier mit allen Kräften bemüht, einen Mord an einem Staatsanwalt und zwei weiteren Morden, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordern, aufzuklären. Sie werden verstehen, dass wir uns um unsere Arbeit kümmern. Ich denke nicht, dass ihre Leser beruhigter wären, wenn ich Ihnen eine Lüge auftischte. Oder, was denken Sie?“
Die Angesprochene wusste keine Antwort.
„ Wir fordern Antworten. Keine Entschuldigungen. Dafür gibt es schließlich die Polizei“, rief jemand aus der hinteren Reihe.
Überthür rutschte zur
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