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Schattenmelodie

Schattenmelodie

Titel: Schattenmelodie Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Daphne Unruh
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Feuerdurchgang schon. Wenn die Durchgänge nicht natürlich sind, ist es schwieriger. Einige Abfälle werden hier in einer tiefen Grube verbrannt. Es steigt immer Rauch auf. Aber das Feuer ist nicht groß genug. Der Mann muss ein bisschen nachhelfen, um den Durchgang zu aktivieren.“
    „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, in lodernde Flammen hineinzuspazieren.“
    Janus lachte.
    „Genauso wenig wie ich mir vorstellen kann, aus großer Höhe einfach in die Tiefe zu springen. Das würde ich nicht mal mit dem Fallschirm machen!“
    „Das ist schon alles seltsam, oder?!“
    „Das ist es. Trotzdem kommt es einem so folgerichtig vor – von Anfang an. Ich bin einfach in die Grube hinabgeklettert, als würde ich das jeden Tag tun. Der Mann schüttete irgendeine Flüssigkeit auf das schwelende Feuer. Und als die Flammen hoch genug waren, bin ich hindurchspaziert, als wäre es eine beliebige Tür.
    Tja, und plötzlich fand ich mich auf einem Feld wieder. In der magischen Blase von Danzig sieht es ganz ähnlich aus wie in der Berliner Blase. Der Boden ist nur nicht so eben, sondern hügeliger, ein bisschen wie eine Kraterlandschaft.“
    „Hat dich jemand empfangen?“
    „Empfangen. Na ja … Gefunden eher. Ich war eine Weile bewusstlos. Und was dann alles so auf einen einstürmt, kennst du ja.“
    Ich nickte erneut, sagte aber nichts. Vielleicht erwartete Janus, dass ich nun aus meiner Geschichte erzählte. Aber ich wollte nicht. Das war zwar unfair, weil er mir seine erzählt hatte, aber ich konnte nicht anders, ich wollte meine Geschichte ruhen lassen.
    „Sag mal, müssten wir nicht bald beim Durchgang sein?“, fragte Janus.
    „Ja, eigentlich schon. Schon längst!“
    Auf einmal war ich mir sicher, dass wir bereits viel zu lange unterwegs waren. „Es muss an den Verschiebungen liegen.“
    „Verschiebungen?“
    Augenscheinlich hatte Janus davon noch nichts gehört. Ich erzählte ihm, was ich von Kira wusste. Seine Miene verdüsterte sich.
    „Das klingt … bedenklich.“
    „Finde ich auch, aber laut Rat gibt es wohl keinen Grund zu ernster Sorge.“
    „Hoffen wir, dass es stimmt.“
    Janus schaute hinauf zur Sonne. „Ich schätze, sie wird bald untergehen.“
    „Oh je, dann dämmert es bereits in Berlin.“
    Janus sah mich fragend an.
    „Du möchtest wohl zu Tom, solange er noch schläft.“
    Er sprach einfach aus, was er dachte.
    Jetzt konnte ich ihn eines Besseren belehren. „Zu Tom? Nein! Ich muss zu Grete. Sie braucht mich.“
    Ich sah ihm an, dass er mir nicht glaubte, aber er fragte: „Das Mädchen mit den langen Haaren und einem Gesicht wie mit sieben Schlössern verriegelt? Ich habe sie schon einmal gesehen.“
    Ich schulterte meine Tasche, die mir fast herunterrutschte.
    „Sie entwickelt Äthersymptome, aber sie hat Höhenangst.“
    Janus sah mich mit großen Augen an. Jetzt glaubte er mir.
    „Tatsächlich?“
    „Ich bin für sie verantwortlich.“
    Wir folgten einer Biegung, die mir nicht bekannt vorkam. Überraschender Weise befand sich dahinter die Klippe mit dem Ätherdurchgang.
    „Oh, wir sind da!“
    Ich war froh. Dann würde ich doch noch rechtzeitig drüben ankommen.
    Wir blieben einige Meter vor dem Abgrund stehen.
    „Neve … Ich finde es gut, dass du zurückkehrst.“
    „Na ja, ich kehre eigentlich nicht zurück.“
    „Vielleicht solltest du Tom die Wahrheit über deine Gefühle zu ihm sagen. Das klingt schwer, ich weiß. Aber das wird es in Ordnung bringen für dich. Du wirst sehen.“
    „Für mich ist bereits alles wieder in Ordnung.“
    „Nein, ist es nicht!“, brauste Janus auf einmal auf und überraschte mich damit. „Du willst leben – wieder so richtig. Du hast Angst davor, Angst vor dem richtigen Leben, vielleicht, weil jeder Tag in der realen Welt das Leben eines magisch Begabten verkürzt, der in der magischen Welt viele hundert Jahre leben könnte.“
    „Das ist totaler Blödsinn!“, protestierte ich.
    Aber Janus ließ sich nicht beirren: „Tief in dir wohnt ein durch und durch sinnlicher Mensch, der raus will an die frische, warme, samtige Luft! Ich weiß das! Ich …“
    Stopp! Was sollte das? Seine Worte vom Anfang fielen mir wieder ein. Mit fester und lauter Stimme unterbrach ich ihn: „Dein Sendungsbewusstsein, mich ins Leben zu führen, in Ehren … Aber das ist nicht deine Aufgabe. Wir teilen vielleicht die magische Welt miteinander. Aber sonst kennst du mich nicht. Du weißt nichts über mich. Ich muss selbst entscheiden, was für mich richtig

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