Weihnachtsbote auf vier Pfoten
nachdenken. Dann hatte er die Sachen in den Karton zurückgeworfen, und sie beide hatten diese interessante Schatzkammer wieder verlassen. Und jetzt sah Zach sehr traurig aus, was immer ein schlechter Zustand war für einen Menschen.
Was war geschehen? Zum ersten Mal in seinem Leben empfand Ambrose Mitgefühl für jemand anderen. Und entmutigt war er auch. Er hatte sein Bestes versucht, um Zach zu helfen, aber offensichtlich hatte er versagt. Mehr liegt nicht in deiner Macht, ermahnte er sich. Letztendlich mussten Menschen, wie alle anderen Geschöpfe, ihre eigenen Entscheidungen treffen und dann mit den Konsequenzen leben.
Zach würde mit ihnen leben. Ambrose aber war in seinem siebten und letzten Leben und lief auf Sparflamme. Das war nicht gut, überhaupt nicht gut.
Kapitel Dreizehn
Auf der Feuerwache gab es immer viel zu tun, der Weihnachtsabend jedoch brachte noch eine zusätzliche Aufgabe mit sich. Sowie es dunkel wurde, war es Zeit, den festlich geschmückten Feuerwehrwagen herauszuholen und die verschiedenen Viertel zu besuchen, um die Einwohner mit einem Weihnachtsständchen zu erfreuen. Dieses Jahr war Zach an der Reihe, den Weihnachtsmann zu spielen und den Kindern Minizuckerstangen zuzuwerfen.
»Wir brauchen noch ein Kissen«, meinte Ray, als er Zach in seinem Kostüm betrachtete. »Mann, du füllst das Ding einfach nicht aus.«
»Dann stecken wir doch dich hinein. Da werden wir keine Kissen brauchen«, gab Zach zurück.
»Amber findet mich gut, so wie ich bin«, sagte Ray, unberührt von der Spöttelei.
»Sie kennt dich wie lange? Vierundzwanzig Stunden? Lass ihr Zeit!«
»Wir kennen uns schon sehr viel länger.«
»Ja, vom Chatten auf HeiÃeAbenteuer.com«, sagte Zach angewidert.
»Man kann auf diese Weise sehr viel über einen Menschen erfahren«, beharrte Ray. »AuÃerdem haben wir schon ein Date gehabt.« Er grinste. »Sie ist echt nett. Und heià ist sie auch, Mann. Fast so heià wie Merilee.«
Zumindest hatte diese neueste Eroberung Ray von Merilee abgelenkt, und das war gut so.
»Wir sollten mal alle vier zusammen ausgehen«, schlug Ray vor, als er Zach ein weiteres Kissen reichte.
»Das wird nicht passen«, antwortete Zach stirnrunzelnd.
Ray nahm das Kissen zurück. »Egal. Es wird sowieso niemand in den Wagen steigen, um zu sehen, wie dick du bist. Wir müssen uns auf die Socken machen.«
Und so fuhren sie los, mit vorweg aufgenommener Weihnachtsmusik und der entsprechenden Anlage bewaffnet, um die Musik laut genug abzuspielen, um Tote zu erwecken. Der Wagen war geschmückt mit Lichterketten und einem riesigen Weihnachtskranz vorn auf der Motorhaube. Ray saà am Steuer, während Zach aus dem Fenster hing und wie ein Narr bei einer Karnevalsparade winkte. Der vierte Juli war ihm sehr viel lieber. Dann fuhren sie mit eingeschalteter Sirene den Angel Way hinunter und sahen durchtrainiert und cool in ihren Uniformen aus. In diesem albernen roten Weihnachtsmann-Anzug dagegen schaute er aus, als wäre er aus dem Einkaufszentrum abgehauen.
Aber das hier war eine altehrwürdige Tradition der Stadt. Wenn der Feuerwehrwagen in eine StraÃe einbog und Here Comes Santa Claus spielte, rannten die Kinder auf dem Bürgersteig neben ihnen her und sprangen nach den SüÃigkeiten, die der Weihnachtsmann hinauswarf. Ãltere Bewohner sahen aus ihren Fenstern zu, und Mütter und Väter mit Kleinkindern winkten von ihrer Veranda.
Als sie durch Fall View Estates fuhren, erregte besonders ein Paar Zachs Interesse. Die beiden standen im Eingang eines bescheidenen, mit Lichterketten geschmückten Hauses, in dessen Vorgarten eine Weihnachtskrippe aufgebaut war. Sie waren jung und standen so dicht beieinander, dass sie aussahen wie eine einzige Person, und der Mann hielt ein Baby in den Armen.
Das könntest du sein â¦
Zach verdrängte den Gedanken schnell, als der Wagen die Siedlung verlieà und die StraÃe hinunterrumpelte. Ja, das Paar sah glücklich aus. Wahrscheinlich waren sie es im Moment auch noch. Aber das würde nicht anhalten.
Das vernünftige Argument hätte diese kleine Seifenblase der Sehnsucht zerplatzen lassen müssen. Früher war es jedenfalls immer so gewesen. Diesmal jedoch nicht. Irgendetwas in ihm blieb beharrlich: Sei nicht dumm â willst du enden wie der alte Turner, verbittert und allein?
So enden? Er war längst an
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