Todesspiel
wo er steckt?«
»Er ist tot«, sagte ich. »Und zwar schon seit einigen Tagen.«
»Was?«
»Haben Sie die Berichte über den schwarzen Mann mitbekommen, der in Jackson, Mississippi, ermordet worden ist und vor dessen Haus ein Feuerkreuz loderte?«
»Ja, natürlich.«
»Bei dem Ermordeten handelte es sich um den gesuchten Bobby. Man hat ihm den Schädel eingeschlagen. Und man hat das getan, um in den Besitz seines Laptops zu kommen. In diesem Computer steckt all das Zeug, das seit einigen Tagen Furore im TV macht. Wir dachten, vielleicht – vielleicht! – würden Sie dahinter stecken und eine Art Kampagne gegen die derzeitige Regierung inszenieren. Waren es Ihre Jungs, Rosalind?«
»Sie sind verrückt!«, kreischte sie. »Warum sollten wir so etwas machen?«
»Was will dieser Kerl?«, schrie der Mann im Hintergrund. »Lass mich mal mit ihm reden!«
»Rosy, Sie reden mit Bill Clinton, und ich weiß , was Sie so alles machen und wozu Sie fähig sind«, sagte ich. »Also, ich rate Ihnen zu Ihrem eigenen Wohl, die Jagd auf unschuldige Computerfreaks quer durchs Land einzustellen und sich darauf zu konzentrieren, den Mörder Bobbys zu finden, den Mann, der jetzt mit Bobbys Laptop so viel Unheil anrichtet. Wenn Sie das nicht tun, fangen wir an, wieder mal unsere Spielchen mit Ihnen zu treiben. Erinnern Sie sich ans letzte Mal? Als Ihre Schlüssellochgucker-Satelliten durchdrehten und all die GS-80-Typen aufgeregt in ihre italienischen Designerhosen furzten? Ich denke, das möchten Sie nicht noch mal erleben, oder?«
»Hören Sie, Bill«, sagte sie mit ernster Stimme, »haben Sie irgendwelche Beweise …?«
»Keine, die Sie uns abnehmen würden«, sagte ich. »Aber wenn Sie den toten schwarzen Mann in Jackson überprüfen, werden Sie ganz von selbst darauf stoßen, dass es sich um Bobby handelt. Das FBI ist bereits in den Fall eingeschaltet; Sie brauchen ihm nur den entsprechenden Tipp zu geben.«
»Bobby DuChamps?«, fragte sie zu meiner Überraschung. Sie hatten einen Namen herausgefunden.
»Fast richtig«, sagte ich. »Seine Name war Bobby Fields. Haben Sie ihn notiert? Okay. Und jetzt, Rosalind, wünsche ich Ihnen noch eine gute Nacht.«
Ich legte auf, meinte, ich sei zu gemein zu ihr gewesen, aber manchmal ist das bei Leuten von Sicherheitsdiensten – Rosalind gehörte zur Abteilung Interne Sicherheit der NSA – die einzige Methode, die funktioniert. Erwecke Hass bei diesen Leuten, wenn das deinen Zielen dient – er macht sie wach, hilft dir bei der Bewältigung deiner Probleme …
»Hat’s geklappt?«, fragte John nach meiner Rückkehr ins Motel. LuEllen guckte sich im TV das Ende eines Films mit dem Titel »XXX« an; ein junger Mann raste gerade mit seinem Sportwagen durch dichten Straßenverkehr.
»Alles erledigt. Mal abwarten, was jetzt passiert. Wahrscheinlich werden die Feds … wie könnte man sagen?« Ich sah LuEllen an.
»… sich neu orientieren«, schlug sie vor.
»Sehr gut«, stimmte ich zu. »Ja, sie werden sich neu orientieren.«
John hatte ein eigenes Zimmer, LuEllen und ich teilten uns ein anderes. Wir waren erschöpft. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden hatten wir lange Strecken im Wagen zurückgelegt, wir hatten uns mehrfach als Hacker betätigt, und man hatte uns unter Beschuss genommen. Wir verabredeten uns für acht Uhr am nächsten Morgen, LuEllen und ich verabschiedeten uns von John und krochen ins Bett.
Als ich gerade einschlafen wollte, sagte LuEllen: »Denk über eine Durchsuchung von Carps Wohnwagen nach … Zehn Uhr am Morgen ist die beste Zeit, ein Zielobjekt wie dieses anzusteuern. Lass dir das im Schlaf durch den Kopf gehen.«
Ich tat es.
Es gibt für die Beschaffung von Einbruchsmaterialien keine bessere Bezugsquelle als den örtlichen Shop der »Target«-Ladenkette. Man bekommt dort billige Wegwerf-Einbruchswerkzeuge, Plastikhandschuhe, Motorola-Walkie-Talkies, Rucksäcke sowie alles, was man zur Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes braucht. Zum Beispiel Khaki-Shorts.
Alle Welt hat eine Vorstellung davon, wie ein Einbrecher aussieht: Angehöriger einer ethnischen Minderheit, meistens jedenfalls, der im Gebüsch lauert, das Terrain sondiert und sich dann, mit einer Skimaske über dem Kopf, im Schutz der Dunkelheit mondloser Nächte ans Werk macht. Wegen dieses Stereotyps erledigen alle professionellen Einbrecher ihre Arbeit um zehn Uhr am Morgen oder um zwei Uhr nachmittags, und zwar an Wochentagen, wenn die Leute bei der Arbeit und
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